Rage Against the Machine: Gitarrist Tom Morello mokiert sich über Politiker-Fan

Los Angeles (nk) – Es gibt ein geflügeltes Wort, das besagt, dass man sich seine Familie nicht aussuchen kann. Dass das, sofern man in einer weltbekannten Band spielt, auch für Fans gilt, darf die Vorzeige-Protest-Musikgruppe Rage Against the Machine gerade hautnah erfahren: Paul Ryan, den Barack Obamas Gegenkandidat Mitt Romney vergangene Woche als seinen Vize präsentiert hat, erklärte kürzlich, dass die Alternative-Metal-Band zu seinen bevorzugten Musikacts gehört. Gitarrist Tom Morello äußerte sich jetzt öffentlich im „Rolling Stone Magazine“ zu dem ungewöhnlichen Anhänger.

„Paul Ryans Vorliebe für Rage Against The Machine ist amüsant, da er die Verkörperung des Systems darstellt, gegen das unsere Musik seit zwei Jahrzehnten kämpft“, so Morello in dem Musik-Magazin, „Charles Manson liebte die Beatles, aber verstand sie nicht. Gouverneur Chris Christie liebt Bruce Springsteen, aber er versteht ihn nicht. Und Paul Ryan ist ahnungslos bezüglich seiner Lieblingsband Rage Against the Machine.“

Wie genau der Politiker, den „Zeit Online“ als „Extremist der Marktwirtschaft“ beschreibt, seine eigenen Ansichten mit den Aussagen, die seine angebliche Lieblingsband in ihren Songs macht, vereint, gibt dem Musiker Rätsel auf:

„Ich frage mich, welches Ryans Lieblingslied von Rage ist?“, sinniert der 48-Jährige, „Ist es das, in dem wir den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern verurteilen? Das, in dem wir den amerikanischen Imperialismus kritisieren? Unser Cover von „Fuck the Police“? Oder ist es der Song, in dem wir die Leute auffordern, die Produktionsmittel an sich zu reißen? Es gibt so viele exzellente Möglichkeiten, zu denen man bei den Treffen der Jungen Republikaner jammen kann!“

„Versteht mich nicht falsch“, so der Gitarrist weiter, „Ich kann klar erkennen, dass Ryan eine Menge „Rage“ (dt: Wut, Zorn) in sich trägt. Wut gegen Frauen, Wut gegen Immigranten, Arbeiter, Homosexuelle, Mittellose, Zorn gegen die Umwelt. Praktisch das einzige, wogegen er nicht kämpft, ist die privilegierte Elite, vor der er für Wahlkampf-Spenden in die Knie geht.“

Morello, der sich unter anderem als Mitbegründer der Organisation „Axis Of Justice“ für soziale Gerechtigkeit einsetzt, stellt gegen Ende des Artikels fest, dass Ryan sich möglicherweise nur oberflächlich mit der Musik der für ihre linke Ausrichtung bekannten Band beschäftigt hat:

„Die Musik von Rage berührt Menschen auf verschiedene Weise. Einige blenden aus, wofür die Band steht und konzentrieren sich darauf, im Pit zu moshen und die Ellenbogen einzusetzen. Bei anderen ist es so, dass Rage ihre Meinungen und ihr Leben verändert hat. Viele Aktivisten auf der ganzen Welt, darunter Organisatoren des globalen „Occupy Movement“, wurden durch Rage Against the Machine radikalisiert und arbeiten unermüdlich für einen humaneren und gerechteren Planeten. Vielleicht hat Paul Ryan gemosht, als er hätte zuhören sollen.

Meine Hoffnung ist, dass Paul Ryan vielleicht ein Maulwurf ist. Vielleicht hat Rage ein paar vernünftige Ideen bei diesem extrem am Rand des rechten Flügels positionierten Spinner bewirkt. Vielleicht wird er, wenn er gewählt wird, [den indianischen Aktivisten, Anm. d. R.] Leonard Peltier begnadigen. (…) Vielleicht wird er Guantanamo Bay mit den Unternehmens-Verbrechern füllen, die seine Kampagne finanzieren – und sie dann foltern, mit Rage-Musik 24/7. Das ist eine Möglichkeit. Aber ich würde nicht darauf wetten.“ nk / eventim / interviews & stories

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