Bosse im Interview mit event.: „Manchmal denke ich mir schon, dass es da doch einen Haken geben muss!“


Von Thomas Reitmair (Ausgabe Februar 2014) Im vergangenen Jahr sind für Bosse sämtliche Erfolgsdämme gebrochen und das hat auch seine Gründe: Da wäre natürlich seine Musik, sein Bühnen-Charisma und seine Durchhaltefähigkeit. Und dann noch eine Eigenschaft, die nicht zwingend notwendig für eine erfolgreiche Karriere ist, aber in diesem Fall wirklich hervorsticht: Dieser Mann ist ein erzsympathischer Guter.

event.: In einem Interview vom Anfang des letzten Jahres hast Du augenzwinkernd prophezeit, dass Dich 2013 körperlich ruinieren werde, wegen der vielen Auftritt und dem unbequemen Bandbus. Wie steht es denn nun um das körperliche Befinden?

Axel Bosse: Dem Körper geht es wirklich gut. Ich merke eigentlich immer so im September oder Oktober, was ich das Jahr über so geleistet habe, aber diesmal habe ich die Tour gut durch gehalten und fühle mich fitter als ich davor gedacht hätte.

Aber ist überhaupt schon ein Ende in Sicht? Die „Kraniche“-Tour scheint sich ja zur Never-ending Tour zu entwickeln.

Wir haben eigentlich schon geplant, dass wir eben Ende Februar abschließen wollen. Aber im Moment sieht es tatsächlich danach aus, als könnte es danach noch ein bisschen weitergehen.

2013 scheinen bei Dir ja auch die letzten Knoten geplatzt zu sein …

Ja, wenn ich auf das Jahr zurückschaue, dann ist da natürlich nichts worüber ich mich beschweren könnte. Die Tourneen waren fast immer ausverkauft, dann noch so Sachen wie den gewonnenen Bundesvision Songcontest. Manchmal denke ich mir schon, dass es da doch einen Haken geben muss, aber bislang … ganz tolles Jahr!

Du bist buchstäblich schon dein halbes Leben lang Musiker …

…ich find‘ das auch völlig irre. Ich hab‘ mit 17 angefangen und werde jetzt 34, das ist schon krass.

Hat Dir das auch geholfen mit dieser irren Dynamik umzugehen, die das Phänomen Bosse inzwischen entwickelt hat?

Ja, das ist schon ein Thema. Ich werde ja oft gefragt, wie sich das anfühlt jetzt so erfolgreich zu sein, aber für mich hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert. Ich kann auch buchstäblich ein Lied davon singen wie das ist, ein erfolgloser Musiker zu sein, da musst Du auch reisen und auch mal Interviews geben. Und durch all diese Erfahrung bin ich schon sehr, sehr gelassen geworden. Das Gefühl haben die Leute die „The Voice Of Germany“ gewinnen natürlich nicht … (lacht)

Eine Erfahrung, die diese Leute wahrscheinlich auch nie machen, ist so persönliche Musik machen zu können wie Du.

Weißt Du, wenn ich einen Element-Of-Crime-Song höre, dann sehe ich da nicht Sven Regener drin rumlaufen, sondern eigentlich immer mich. Die meisten Leute beziehen die Songs auf sich selbst, deswegen hab‘ ich auch eigentlich keine Angst zu viel von mir preiszugeben. Natürlich ist da viel Persönliches drin, aber manches lass ich auch ganz grau und neblig, da weiß man dann nicht wie viel von mir drin ist.

Deine Karriere ist ja auch von großer Kontinuität geprägt.

Ja, seit zwölf Jahren ist meine Band dabei, mein Mischer, mein Management und auch die Typen die meine Graphiken machen, sind immer noch meine alten Kumpels aus Braunschweig. Das ganze Ding ist natürlich krass gewachsen, aber an meinem Umfeld hat sich kaum was geändert.

Kommst Du zurzeit überhaupt noch zum Songschreiben?

Ich war jetzt gerade wieder zehn Tage in Umbrien, wo mein Produzent sein Studio hat, und ich fahr‘ da auch immer nur hin wenn ich was zum Rausschießen habe. Ich hab‘ schon drei, vier Songs die schon ganz gut sind. Wenn meine Tochter in der Schule ist, dann beginnt quasi meine Arbeitszeit 8.00 Uhr morgens bis 15.30 Uhr und das zieh‘ ich auch knallhart durch. Aber das nächste Album steht nicht vor 2015 an.

Gibt’s auch aktuelle musikalische Inspirationen?

Momentan steh‘ ich auf Sachen wie Springsteen oder Willie Nelson – alte Männer, die was zu erzählen haben. Manchmal auch junge Männer, die so tun als ob sie was zu erzählen haben …(lacht)

Eine letzte, nicht ganz ernst gemeinte Frage: Ist was dran an dem Klischee, dass es eigentlich jeder irgendwie aus deiner Heimatstadt Braunschweig raus schaffen möchte?

(lacht) …ach, ich könnte mir sogar vorstellen irgendwann wieder zurückzuziehen, so in die ländliche Umgebung oder so. Außerdem hab‘ ich’s inzwischen ja in ein Panini-Album geschafft. Wenn Du das gepackt hast, bist Du in Braunschweig der King.

Ab 7. Februar setzt der Singer-Songwriter seine „Kraniche“-Tour fort – jetzt noch schnell Bosse Tickets bei EVENTIM sichern!


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