eventim.de Fan-Report der Woche: NIGHT OF THE PROMS in Erfurt!

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Hamburg (bf) – Schon seit 1985 zeigt die „Night Of The Proms“, dass vermeintlich konträre Genres wie Pop und Klassik perfekt miteinander harmonieren. Auch die 2014er Version der „Pop meets Classic“-Veranstaltung war wieder ein absoluter Erfolg und hinterließ beim Publikum Begeisterung pur. Viele der diesjährigen Besucher sind „Überzeugungstäter“, die sich jedes Jahr auf die neue Ausgabe von „Night Of The Proms“ freuen. Tickets für die 2015er Ausgabe sind bereits erhältlich – vielleicht ja ein prima Last-Minute-Geschenk für einen aufgeschlossenen Musikliebhaber?
Als Inspiration ein paar Einschätzungen unserer Fan-Reporter: Dennis Langlotz sah in Erfurt eine „richtig klasse Show mit super Künstlern„, und Udo und Regina fanden „Es war wie immer für jeden Geschmack etwas dabei.“ Alwin.K war vom Gebotenen dermaßen beeindruckt, dass er einen ziemlich epischen Bericht dazu verfasste. Für uns der Fan-Report der Woche:

Alwin.K: „Grandios und berauschend“
(Night Of The Proms in Erfurt am 17.12.2014, Messe)

„Ende der 1970-er/Anfang der 1980-er Jahre waren es Jethro Tull und Pink Floyd, die mit dem London Symphonie Orchester beziehungsweise dem Royal Philharmonie Orchestra auftraten und danach bemerkenswerte Platten herausbrachten. „The Night oft he Proms“ setzt dieses Projekt in bemerkenswerter Weise fort. Und gestern Abend waren wir in Erfurt; „Rock und Pop trifft Klassik – The Night oft he Proms“: Namenhafte Rock- und Popkünstler treten mit einem Symphonie-Orchester auf. Ich freute mich im Vorfeld sehr darauf. Es war grandios!! Das Orchester „Il Novecento“ war ein tolles Multikulti-Orchester aus Belgien – unter der Leitung von Robert Croslot – bestehend aus Berufsmusikern und Musikstudenten. Es macht Lust auf mehr. Man könnte eigentlich auch mal zu einem Klassik-Konzert gehen…. Unterstützt und begleitet wurde das Orchester vom Chor „Fine Fleur und der Electric Band (Keyboard, Bass, Schlagzeug, Percussion und E-Gitarre). Das ganze perfekt und meisterhaft in Szene gesetzt mit einer tollen Licht-/Lasershow. Selbst die Akustik der Erfurter Messehalle ist für eine Messehalle akzeptabel. Ich erkannte den Bau sogar wieder; in den 1990-er Jahren war ich dort bei Jimmy Page und Robert Plant (Led Zeppelin).

In der 2014-er Night of Proms-Tournee wirkten aus der der Rock- und Popszene folgende Künstler mit: Zucchero, Katie Melua, Marlon Roudette, Madeline Juno, John Miles und die lettische Akkordionspielerin Ksenija Sidorova.

Kein vorgetragenes Musikstück an diesem Abend – egal ob gesungen oder musiziert – verdient Kritik oder wirkte unpassend für das Projekt „Rock trifft Klassik“. Ein Erlebnis durch und durch für die Sinne. Dennoch möchte ich zwei … drei Höhepunkte hervorheben: Die deutsche Newcomerin Madeline Juno (19 Jahre jung, aus dem Schwarzwald) begeisterte gleich zuerst mit einer Stimme, die sprachlos machte. Wer mit 19 Jahren so eine umfangreiche und ausgereifte Stimme präsentieren kann, der (in dem Fall die) hat sicher noch Großes vor. Zumal sie auch mit ihrer sympathischen Art gleich das Publikum auf ihrer Seite hatte. Einer ihrer Songs, nämlich „Error“, avancierte zur Filmmusik des Kino-Blockbusters „Fack ju Göhte“.
Altstar John Miles gilt als einer der vielseitigsten Musiker und wird gern bei anderen Musikerkollegen unter Vertrag genommen. So zupft er zum Beispiel die Gitarrensaiten bei Tina Turner oder steht im Studio mit Jimmy Page (Led Zeppelin) oder Alan Parson (Alan Parsons Project). Sein Song „Music was my first love….“ ist zu seinem Lebens-Credo geworden. Gestern begeisterte er mich vor allem mit dem 1975-er Queen-Klassiker „Bohemian Rapsody“, dem Lieblingslied des verstorbenen Freddy Mercury und ersten Nummer-Eins-Song von Queen. Stimmgewaltig mit Orchesterbegleitung in Szene gesetzt, war es das erste Highlight des noch jungen Abend. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut…

Den jungen Briten Marlon Roudette (aufgewachsen in der Karibik und den Vornamen nach dem großen Schauspieler Marlon Brando) kannte ich nicht. Aber auch er zog sofort das Publikum auf seine Seite. Und zumindest dem weiblichen Publikum schien er kein Unbekannter zu sein. Und siehe da, auch ich kannte zwei seiner drei Songs aus dem Radio. Jetzt weiß ich, wer Marlon Roudette ist 😉

Die lettische Akkordeonspielerin Ksenija Siderova (ebenfalls erst 26 Jahre jung) war verantwortlich für das diesjährige „besondere Instrument des Abends“ – in diesem Jahr bei „Night of Proms“ das Akkordeon. Mit welcher Fingerfertigkeit die junge Baltin über die Tasten des Akkordeons glitt ringt Erstaunen ab. Ob man allerdings das Akkordeon bei Georges Bizets „Carmen“ als dominierendes Instrument einsetzen kann, ist Geschmacksache. Ich finde, dass das Akkordeon mit Spanien nicht so viel gemein hat. Das Instrument kam aber hervorragend zur Geltung bei Stücken, die argentinische Klänge beziehungsweise französisches oder flämisches Flair verbreiteten. Und dass Ksenija Sidorova überhaupt hier stand, da können alle Mitwirkenden und das Publikum froh sein. Immerhin wurde die junge Dame am Nachmittag in einem Erfurter Krankenhaus fünf Stunden wegen einer Allergie mit Spritzen behandelt und trat mit einer dicken Sonnenbrille auf.

Zu Katie Melua muss man ebenfalls nicht viel sagen. Ich persönlich war traurig, dass Amy Macdonald nicht wieder dabei ist; so wie im vorigen Jahr – aber Katie entschädigte mich zu 100. Und während die Damen des Publikums den jungen Briten Marlon Roudette nicht nur per Gehör, sondern auch optisch intensiver wahrnahmen als vielleicht andere Mitwirkende, so fand ich Katie Melua auch optisch äußerst reizend. Als Musikerin kann sie freilich mehr als nur hübsch aussehen: Gold und Platin hat sie bereits mehrfach im Haus und auch Echos und Grammys bekam sie schon. Jedes ihrer bisher sechs Alben landete in den Top-Ten. Mit ihrer Akustikgitarre kam sie auf die Bühne und sang die erste wirkliche Ballade des Abends. Diesem Motto blieb sie auch treu, was sie wechselte waren die Gitarren. Aber Katie Melua blieb die Balladen-Künstlerin des Abends. Ihre Stimme ist über jeden Zweifel erhaben und verursachte bei mir Gänsehaut.

Den Abschluss des Abends (da war die Pause des Konzertes schon längst vorbei) bestritt Zuccero. Der Italiener mit der rauchig-kehligen Stimme ist ein international gefragter Duett-Partner, so unter anderem mit Eric Clapton, Elton John oder Queen. Er steht oder stand auch für verschiedenste Zusammenarbeit zur Verfügung, unter anderem für Randy Crawford, Michael Jackson oder B. B King wirkte. Nach dem Tod von Freddy Mercury (Queen) wirkte er auch beim international besetzten „Freddy Mercury Tribute“-Konzert im Londoner Wembley-Stadion mit. Zucchero (eigentlich Adelmo Fornaciari) begann seinen Konzertteil druckvoll und stimmgewaltig. Sein Hit „Senza Una Donna“ (1991 im Duett mit Paul Young aufgenommen) durfte hier nicht fehlen. Das absolute Highlight war aber ein Duett mit Luciano Pavarotti. Das dürfte auch das Orchester so gesehen haben! Ein Duett, das es zu Lebzeiten Pavarottis wirklich gab. Diesmal kam der große Tenor allerdings vom Band und er selbst optisch leider nur in der Videosequenz auf der Leinwand. Dafür steuerte Zucchero seinen Duett-Teil live bei, und das obendrein atemberaubend. Es war grandios, was er hier ablieferte.

Im Abschluss kamen alle Mitwirkenden noch einmal auf die Bühne und zelebrierten auf ihre Art und Weise den Beatles-Song „Let it be“.

Nach 3 ½ Stunden Musik- und optischen Genuss war das Publikum gesättigt. Und das Ganze für „nur“ 75,- Euro. In diesem Fall darf man das getrost so sagen.“


bf / eventim / fanreport


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Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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