Karamba und Karacho: HEINO macht auf Metal!

heino-tickets-2015

Hamburg (bf) – Eins muss man dem deutschen Schlager-Urgestein Heino lassen: Er weiß auch mit über 70 Jahren, wie man für Aufsehen und medialen Hype sorgt. Nachdem er in den 90er und 2000er Jahren nur mäßig erfolgreiche Alben veröffentlicht hatte und gefühlt eigentlich schon in Rente war, kehrte er Anfang 2013 mit einem Paukenschlag namens „Mit freundlichen Grüßen“ fulminant auf die Bildfläche zurück. Knapp 30 Studioalben hat der blonde Bariton in seiner Karriere veröffentlicht – ausgerechnet mit diesem Cover-Album verdienter deutscher (Rock-)Künstler wie Rammstein, Die Ärzte, Die Toten Hosen oder Die Fantastischen Vier erklomm er zum allerersten Mal die Pole Position der Charts. Paradox. Und kontrovers, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Blondschopf entdeckt seine schwarze Seele

Nun kommt am 12. Dezember, einen Tag vor seinem 76. Geburtstag, Heinos neuester Streich „Schwarz blüht der Enzian“ in die digitalen und realen Läden: Darauf covert „Mr. Haselnuss“ nicht etwa die Songs anderer Musiker – sondern seine eigenen! Anscheinend hat er die Interpretation fremder Stromgitarrensongs und den Auftritt mit Rammstein auf dem Wacken Open Air 2013 dermaßen genossen, dass er nun auch seinem eigenen musikalischen Werk eine Metal-Kante verpasste: Auf „Schwarz blüht der Enzian“ finden sich 13 rockige Neuinterpretationen seiner größten Hits – von „Wir lagen vor Madagaskar“ bis „Die schwarze Barbara“, von „La Paloma“ bis „Schwarzbraun ist die Haselnuss“.

„Knackige Snare, fetter Bass, verzerrte Gitarren und insgesamt mehr Effekte als man es bislang von Heino-Platten gewohnt war. Und trotzdem bestimmt Heinos gewaltige Stimme natürlich weiterhin das Klangbild und bleibt zentrales Element der Aufnahmen“, so die offizielle Beschreibung des Heino-2.0-Sounds auf der Website des „großen Barden“.

Natürlich ist auch der immergrüne Evergreen „Blau blüht der Enzian“ auf dem Album enthalten, den der Maestro hier ordentlich eingeschwärzt hat. Große Wellen schlug bereits das dazugehörige Musikvideo, in dem Heino mit einer illustren Band aus Volksmusik-Kollegen musiziert: Gotthilf Fischer trommelt die Drums, Stefan Mross und Patrick Lindner spielen E-Gitarre bzw. Bass – ist das die geballte Rache der Volksmusik, die sich für die jahrelange General-Verballhornung seitens der Rockmusikszene revanchiert?

Entscheiden Sie selbst:

Heino „Schwarz blüht der Enzian“
http://youtu.be/2tY57TYnr9w

Ob Heinos Imagewandel nun abermals ein kalkulierter Chart-Coup ist oder einer authentischen Lockerheit und Experimentierfreude entspringt – man weiß es nicht. Ist ja eigentlich auch egal, denn irgendwie machen seine rammsteinesquen Songversionen Spaß. Außerdem beweist Deutschlands Schlager-Grandsigneur eine nicht unsympathische Fähigkeit zur Selbstironie, wenn er sein musikalisches Lebenswerk nun noch einmal als rockige Variante präsentiert. So oder so: mutig, Regenbogen-Johnny!

Zusätzlich zum köstlichen Musikvideo (an dessen Ende Gotthilf Fischer effektvoll explodiert) gibt es auch noch ein „Behind the Scenes“-Video, das nicht minder kurios ist:

Heino- Schwarz blüht der Enzian Rockumentary

2015 geht Heino dann übrigens unter dem Motto „50 Jahre – HEINO: Schwarz blüht der Enzian“ auf Tour – Tickets gibt es auf eventim.de. 50 Jahre auf der Bühne – lass es ordentlich krachen, großer Barde!

bf / eventim / news

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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