Trancecore-Torpedo: Die britischen Sound-Tüftler ENTER SHIKARI sind zurück!

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Hamburg – (bf) Etwa zehn Jahre ist es her, dass vier Kids aus dem Londoner Vorort St Albans im elterlichen Keller eine völlig verrückte Idee hatten: Trancemusik mit Post-Hardcore-Sounds kombinieren! Anfangs leicht belächelt, haben sich Enter Shikari inzwischen als absolute Instanz in der (jungen) Metal-Szene etabliert. Ihre Fanschar wächst stetig, ihre Alben mischen die internationalen Charts auf, ihre Konzerte sind oft ausverkauft – und das, obwohl sich ihre Musik konsequent dem Mainstream verweigert. Ein Weg, den sie auch auf ihrem vierten Album „The Mindsweep“ gnadenlos fortführen.

Allein dafür gebührt den vier britischen Sound-Tüftlern, die sich inzwischen von unbekümmerten Teenagern zu jungen, aber nicht weniger unbekümmerten Männern entwickelt haben, Respekt: Bei ihrem einzigartigen Gespür für große Melodien hätten Enter Shikari mit Sicherheit auch den leichten Weg gehen und mit dem Mainstream kokettieren können. Doch „The Mindsweep“ ist einmal mehr ein Sammelsurium aus harten Electro-Beats, vernichtenden Gitarrenriffs, betörenden Melodien und purem Kakophonie-Chaos.

Geschmacksprobe #1: „The Last Garrison“

Schon der Opener „The Appeal & The Mindsweep I“ zeigt, dass sich Enter Shikari auch auf einer anderen Ebene von vielen anderen Bands ihrer Altersklasse unterscheiden: Sie haben etwas zu sagen – etwas Wichtiges. „Das ist ein Aufruf an die kämpfenden und strebenden Verwalter dieses Planeten […] Damit seid ihr gemeint! Ihr und jeder, den ihr kennt oder auf der Straße seht. […] Verdrängt eure Angst und dekantiert euren Hass […] Ergreift das Leben und nutzt die Zeit – dieser Kampf ist für die Menschheit…“, fordert Sänger Rou Reynolds in eindringlichem Sprechgesang, der schließlich in garstigem Kreischgesang explodiert. Dann plötzlich rollt die Band epische Trance-Teppiche aus und lässt beschwörende Chöre erschallen. Ein verrücktes Soundkaleidoskop, wie es nur Enter Shikari erschaffen können.

Geschmacksprobe #2: „Anaesthetist“

In der Single-Auskopplung „Anaesthetist“ scheinen sie ihren Landsmännern The Prodigy Tribut zu zollen, in „The Last Garrison“ flirten sie gnadenlos mit dem Pop, „Never Let Go of the Microscope“ und „Myopia“ branden nach sphärischem Beginn in einem bombastischen Crescendo, „The Bank Of England“ ist eine Art Sprechgesang-Ballade, „There’s a Price on Your Head“ erinnert an die wahnsinnige Wildheit der frühen System Of A Down, „Dear Future Historians…“ ist vier Minute lang eine wunderschöne Piano-Ballade und explodiert schließlich in einem Gänsehaut-erregenden Klangteppich. Das klingt alles ziemlich verrückt – weil es verrückt ist!

Enter Shikari sind mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack, sondern Hartmusik für Fortgeschrittene. Wer jedoch einen aberwitzigen Trip durch trancegeschwängerte Post-Hardcore-Galaxien erleben will und auf musikalische Scheuklappen ebenso pfeift wie die Erschaffer dieses abgefahrenen Albums, sollte unbedingt mal in „The Mindsweep“ reinhorchen.

Und wer auch mal live wieder mit Volldampf aus den Latschen geböllert werden will, sollte Enter Shikari bei ihrer Anfang Februar startenden „The Mindsweep“-Tour besuchen: Schließlich bieten die Jungs bei ihren Shows stets ganz großes audiovisuelles Kino. Tickets für die Shows gibt’s auf eventim.de, Termine stehen unten.

Und so schaut „The Mindsweep“ aus:

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bf / eventim / reviews

Enter Shikari – The Mindsweep Tour

07.02. Leipzig – Hellraiser
08.02. Wien – Arena (AT)
09.02. München – Muffathalle
10.02. Würzburg – Posthalle
11.02. Köln – Live Music Hall
13.02. Hamburg – Docks
14.02. Frankfurt – Batschkapp

Bilder: © Pias, Tom Martin

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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