IMAGINE DRAGONS: das neue Album „Smoke + Mirrors“ auf dem Prüfstand

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Hamburg (bf) – Knapp zwei Jahre ist es her, dass Imagine Dragons mit „Night Visions“ eins der spektakulärsten Debütalben der letzten Jahre vorgelegt haben. Nun steht endlich ihr Zweitwerk „Smoke + Mirrors“ in den Regalen – ein Album, das aus mehrerlei Gründen fieberhaft erwartet wurde: Zum einen, weil sich die explosionsartig gewachsene Fanbase der US-Rocker nach neuem Material nur so verzehrt. Zum anderen aber auch, weil schon so manche Band, die ein starkes Debüt abgeliefert hat, die hohen Erwartungen danach nicht mehr erfüllen konnte. „Smoke + Mirrors“ – top oder Flop?

Schon die beiden Lead-Single des Albums haben die Befürchtungen, Imagine Dragons könnten irgend etwas von ihrer magischen Faszination eingebüßt haben, zerstreut: „I Bet My Life“ erwies sich als eingängiger Track, der zwischen melancholischen Strophen und wuchtigem Chor-Refrain pendelt, und „Shots“ als faszinierende Pop-Hymne, die auch dem genialen Debütalbum entstammen könnte.

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Imagine Dragons – nur noch Schatten ihrer selbst? Ha, von wegen!

Nach eingängiger Analyse von „Smoke + Mirrors“ kann man nun feststellen: Auch wenn das Album nicht mehr jenen visionären Vibe wie der Erstling verströmt (als Folgewerk eines musikalischen Erdrutschs wie „Night Visions“, der sich knapp vier Millionen Mal verkaufte, gar nicht verströmen kann), steht es dessen Klasse und Vielfalt doch kaum nach.

„Gold“ ist eine hypnotisierende Downtempo-Nummer mit herrlich schrägen Hintergrund-Chören, „I’m So Sorry“ erweist sich als von sirrenden Gitarren getragener Rock-Song mit Blues-Elementen, überraschender Piano-Einlage und wuchtigem Finale, das im Midtempobereich angesiedelte „Polaroid“ ist mit seiner aufwühlenden Intensität einer der besten Tracks des durchgängig starken Albums.

Imagine Dragons – „I Bet My Life“

Man merkt der Platte deutlich an, dass sie während des fast zwei Jahre währenden Tourzyklus entstanden ist, im Rahmen dessen Imagine Dragons 130 Konzerte und 50 Festivalauftritte absolvierten: „Eines unserer Ziele für dieses Album lautete, die Extreme der vergangenen Jahre einzufangen“, erklärt Sänger Dan Reynolds. „Auf Tour gab es Momente, in denen ich regelrecht high vor Glück war, zum Beispiel nach unserem Auftritt in Brasilien vor 80.000 Menschen, aber es gab natürlich auch Momente, die nicht so schön waren. Ich fühlte mich zwischendurch unfassbar allein, weil ich meine Familie so lange nicht gesehen hatte.“

Ein Spannungsfeld, das sich in der ungeheuren Dynamik des neuen Albums, das Imagine Dragons auf Tour schrieben und anschließend im eigenen Homestudio einspielten, ausdrückt: Da steht eine verrückte „Tea Party meets Prodigy“-Nummer wie „Friction“ neben einer glattpolierten Ballade der Marke „It Comes Back To You“, die in Teilen auch von Take That stammen könnte – und obendrein eine XX-Referenz enthält. Auch die vor Pathos zerberstende Power-Ballade „Dream“, das nach Mumford and Sons klingende „Trouble“ und der mit düster sirrendem Bass versehene, „klassische“ Dragons-Track „Hopeless“ sind absolute Highlights dieses in der Standard-Version 13 Tracks umfassenden Albums. In der Deluxe-Version gibt es noch mal fünf zusätzliche, in der Super-Deluxe-Box sogar acht Bonus-Tracks obendrauf – fett.

Imagine Dragons – „Shots“

Bevor wir „Smoke + Mirrors“ noch epischer als ohnehin schon abfeiern, fassen wir einfach mal zusammen: klasse Scheibe und würdiger Nachfolger des grandiosen Debüts.

Im Oktober sind die vier Jungs aus Las Vegas in Deutschland auf Tour, bei der es nach diesem starken Album eng werden könnte. Tickets für die sechs Arena-Shows gibt es hier.

Imagine Dragons – Tour 2015

11.10.2015 Oberhausen│König-Pilsener Arena
12.10.2015 Mannheim│SAP Arena
13.10.2015 München│Olympiahalle
15.10.2015 Hamburg│o2
16.10.2015 Berlin│Max-Schmeling-Halle
17.10.2015 Stuttgart│Porsche Arena

bf / eventim / rezensionen

Bilder: © Universal

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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