Darum kann man STEEL PANTHER lieben

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Hamburg (bf) – Heute mal etwas Persönliches: Eine Art Liebeserklärung an die Glam-Rock-Band Steel Panther aus Los Angeles, die kürzlich wieder eine ausverkaufte Tour durch deutsche Clubs absolvierte. Eine Band, die mit ihren plakativen Texten und Live-Shows sicherlich polarisiert. Aber auch eine Band, die geniale Rockhymnen geschrieben hat und ein Born guter Laune ist.

Meine erste Begegnung mit Steel Panther hatte ich vor ziemlich genau drei Jahren im Hamburger Docks, wo ich im Auftrag eines hämmernden Metalmagazins einen Live-Bericht der Show verfassen sollte. Echt jetzt, Steel Panther? Das sind doch diese Kasperköppe, die sich Perücken aufsetzen, leopardengepunktete Spandexhosen anziehen und über Geschlechtsverkehr singen – ganz so niveaulos muss es ja nun echt nicht sein!

Doch wie bei eigentlich allem galt auch hier: Eine Meinung über etwas sollte man sich nur erlauben, wenn man es mindestens einmal gesehen hat. Also ging ich, sah… und traute meinen Augen und Ohren nicht: Diese scheinbar niveaulose Quatsch-Band haute eine eingängige Hardrock-Hymne nach der anderen raus und liefert eine Show ab, die das ausverkaufte Venue in einen tosenden Hexenkessel verwandelte. 1.500 euphorische Fans – erstaunlicherweise einigermaßen gleichmäßig in Männlein und Weiblein unterteilt – gaben 90 Minuten lang Vollgas und brüllten sich die Seele aus dem Leib. Seit diesem einschneidenden Erlebnis bin ich Steel-Panther-Fan und habe kein Konzert in der näheren Umgebung verpasst.

Steel Panther – „Community Property“

Denn während besagter 90 Minuten dämmerte es: Bei Steel Panther verbietet sich die Frage nach dem Niveau – es ist mehr als offensichtlich, dass es überhaupt keins geben soll. Worum es vielmehr geht, ist Eskapismus und Katharsis durch klischeehaft verklärte Rockmusik. Es geht um Spaß und Party, darum, den Alltag auszusperren und endlich mal wieder hemmungslos albern sein zu dürfen. Und wer hat eigentlich gesagt, dass es verwerflich ist, über Brüste zu singen? Schließlich ist ein Großteil unserer heutigen Werbung und TV-Formate sexistischer als es Steel Panther je sein könnten. Von der Hip-Hop-Kultur ganz zu schweigen. Steel Panther meinen das, was sie in ihren Songs singen oder auf der Bühne vollführen, wenigstens (selbst)ironisch.

Und wer auf eingängige Riffs, Hooks und Chorusse steht, die das Beste des 80er-Jahre-Hair-Metals und -Glam-Rocks zu einer mitreißenden Entertainment-Symbiose vereinen, der ist bei dieser Band ohnehin genau richtig aufgehoben.

Siehe:

Steel Panther – „Death To All But Metal“

Man muss Steel Panther und ihre Macho-Show nicht mögen. Man darf aber. Es ist doch alles nur Spaß – und zwar ein großer.

bf / eventim / live-business

Bild: © Ben Foitzik

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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