HEAVEN SHALL BURN brennen für ihren lokalen Fußballverein FC Carl Zeiss Jena

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Hamburg (bf) – Es gibt viele bekannte Musiker, die mit ihrer Zuneigung zu ihrem Lieblingsfußballverein nicht hinterm Berg halten. Die Liebe der Toten Hosen zu Fortuna Düsseldorf zum Beispiel ist quasi legendär. Eine besondere Liebesbekundung haben nun die thüringischen Metal-Überflieger Heaven Shall Burn, die mit ihrem 2014er Album „Veto“ auf Platz #2 der deutschen Albumcharts einstiegen, abgegeben: Ab sofort werden sie als Sponsor das Trikot ihres Heimatvereins FC Carl Zeiss Jena zieren.

Support your local team!

Die Aktion läuft unter dem Motto „Support your local team“ und hat deutlich tiefere Hintergründe als eine Marketing-Strategie, wie Gitarrist Maik Weichert in einer ziemlich langen Lobrede auf lokale Fankultur erklärt. Da sie aber – wie so vieles, was Heaven Shall Burn von sich geben – viele interessante und intelligente Ansätze hat, kann man die ruhig mal in Gänze zitieren:

Mit der Aktion ‘support your local team‘ wollen wir ein Zeichen setzen. Wie groß und wie wichtig dieses Zeichen ist, liegt an Euch. Daran, ob Ihr uns versteht und genauso fühlt wie wir.

Vereine sind Blutgefäße einer gesunden Zivilgesellschaft, hier findet Diskussion, Zusammenarbeit und Innovation statt. Vereine sind Horte des Lebens, Liebens und Leidens. Leiden, genau. Auch das. Besonders bei Fußballvereinen. Wer wüsste das besser als wir, die wir unsere Herzen an einen Club verloren haben, der in der Regionalliga eher um die Ehre als den Ruhm kämpft. Wie oft hat man sich geschworen, nie wieder…

Und trotzdem trotten wir jeden Spieltag wieder zu den Sportfeldern und Kampfbahnen – es sind nur wenige Stadien und Arenen dabei – wie ein verknallter Bengel, der von seiner kalten Angebeteten meist nur Enttäuschung und Schmerzen erfährt und dennoch alles für sie tut. Für ein paar kurze glücksselige Momente. Vielleicht ein erkämpftes Auswärts-Unentschieden oder sogar ein gewonnenes Pokalspiel.

Aber diese Erinnerungen sind es, die wir im Herzen tragen. Dort treffen wir Freunde und durch und durch ehrliche Menschen. Wir sind zu jung, um die großen Erfolge unseres Vereins miterlebt zu haben. Klar sind wir stolz darauf, aber es sind die Höhepunkte anderer Leben. Das klingt vielleicht nach Tristesse und Resignation. Aber genau das ist es eben nicht. Wir als Band schreiben in unseren Texten vom Kämpfen gegen alle Widerstände, von Sturheit dem Zeitgeist gegenüber, von Toleranz und dem sich daraus ergebenden Zusammenhalt gegen übermächtige Feinde. Das sind nicht nur Stories, wir versuchen diese Tugenden tatsächlich in unser Leben herüber zu transportieren. Diese Haltung gibt uns eine große innere Kraft und ein wärmendes Glücksgefühl. All dies empfinden wir auch als Anhänger unseres Vereins. Egal, wie es läuft. An diese Gefühle rühren keine Tabellenstände.

HSB-Sänger Molle in Fußballlokalpatriotenkluft

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Unser Verein wird vielleicht nie mehr eine Topp-Adresse werden. Aber die unbesiegbaren Gallier in ihrem Dorf griffen auch nicht nach der Weltmacht. Aber zweifelt jemand daran, dass sie eine verschworene Gemeinschaft waren und eine tolle Zeit hatten?! Uns geht es um den positiven Kampf, den Zusammenhalt, die Lebendigkeit! Fußball ist eben Leben. Und zwar so, wie das Leben eben ist: Mit Idioten und guten Freunden, mit Liebe und Hass, mit Wehmut und Freude, mit Bangen und Zuversicht. Doch genau dieses Leben scheint zu schwinden. Wenn nicht bald ein Umdenken oder besser gesagt ein stures Gegendenken stattfindet, dann ereignet sich Sport nur noch auf einem Flachbildschirm in HD, mit Werbeblöcken und vorgekauten Kommentaren. Dann wird sich keiner mehr daran erinnern, wie es war, ‘dabei gewesen zu sein‘. Dann erlebt man ein Spiel nur noch als Information und nicht als Emotion. Uns sind zwanzig oder dreißig weit gereiste Gästefans in irgendeiner Kurve auf irgendeinem Stoppelacker dieser Republik tausendmal mehr wert als alle Pay-TV-Abos dieser Welt. Die Entwicklung im Sport ist durchaus ein Gleichnis für das, was eine immer abgeschliffenere, poliertere und gleichgültigere Gesellschaft für die Menschen bedeutet und mit den Menschen macht. Bequemlichkeit, Berieselung, seichter Durchschnitt mit geplanten Höhepunkten. Natürlich wird niemand diese Entwicklungen aufhalten.

Lohnt es sich daher, überhaupt dagegen anzukämpfen?

Auf jeden Fall!

Nur, weil etwas unausweichlich ist, muss man sich nicht gleich der Mode ergeben. Klar, auch wir mögen den Hochglanzsport gern, aber es geht darum, die Underdogs nicht zu vergessen! HSB sind selbst ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Kreativität und verwegenen Ideen beachtliche Schritte machen kann und das, obwohl die Mittel ziemlich beschränkt sind. Wir haben gelernt, dass es sich nicht lohnt, auf das Gelaber der Besserwisser und nachträglichen Kritiker zu hören. Diesen Spirit, diese Ideen und eben diese Lebenskraft braucht auch Dein Verein, um nicht im Einheitsbrei unterzugehen. Er braucht DICH!

Es geht uns nicht um drögen Lokalpatriotismus, sondern um Esprit, um Begegnungen und Offenheit, aber auch um die geliebten Rivalitäten und die Herausforderung, gegen den Strom zu schwimmen.

Wir wissen, dass es da draußen viele Leute gibt, die genauso denken und fühlen wie wir.

Also: SUPPORT YOUR LOCAL TEAM! Egal, wo Du bist.


In ihrem eigentlichen Element kann man Heaven Shall Burn diesen Sommer beim Rock In Vienna und als Headliner des With Full Force Festival erleben.

bf / eventim / news

Bilder: Christian Thiele, Century Media

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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