Wie grandios ist denn bitte „Sol Invictus“, das neue Album von FAITH NO MORE?!

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Hamburg (bf) – Die Antwort ist: sehr! Gut, das mag vielleicht wie die undifferenzierte Euphorie eines Faith No More-Fanboys klingen, der seit 18 Jahren auf ein neues Lebenszeichen der kalifornischen Crossover-Rocker um Bandleader Mike Patton wartet. Doch gerade als glühender Fan ist man nach einer derart langen Zeit oft skeptisch und besonders kritisch, und das nicht selten zu Recht. Wie oft hört man bei Bands, die nach vielen Jahren Funkstille noch einmal zurückkehren, den Satz „Ihre alten Sachen sind viel besser“?

Die Soundpioniere sind wieder auf Pirsch

Natürlich sind auch Meisterwerke wie „The Real Thing“ (1989), „Angel Dust“ (1992) oder „King for a Day… Fool for a Lifetime“ (1995) im Prinzip nicht zu erreichen – schließlich haben Faith No More damit wie nur wenige andere Bands das Rockmusik-Genre geprägt, wenn nicht gar revolutioniert. Ohne sie hätte es Strömungen wie Grunge, Alternative oder Nu Metal vielleicht gar nicht gegeben – wenn man es mal provokant formulieren möchte.

Allein dieser Song hier… nach wie vor episch!

Faith No More – „Epic“

Sol Invcitus – das Album of the Year

Doch warum in der Vergangenheit schwelgen, wenn die Gegenwart (bzw. nahe Zukunft) neue musikalische Glanztaten von Faith No More bereit hält? Am 15. Mai erscheint mit „Sol Invictus“ der Nachfolger des 1997er Albums „Album of the Year“ – und zeigt gänsehauterregend eindrucksvoll, dass Mike Patton & Co. auch nach all den Jahren nichts von ihrer visionären musikalischen Genialität verloren haben.

Der erste Song Sol Invictus baut als düsteres Sprechgesang-Intro von der ersten Sekunde an eine kribbelnde Spannung auf und zeigt in nur zweieinhalb Minuten die unglaubliche stimmliche Range von Mike Patton, den man wohl unter Tausenden von Sängern heraushören würde. Der zweite Track Superhero wurde im Vorfeld bereits als zweite Album-Single veröffentlicht und detoniert mit unglaublicher Wucht im Gehörgang:

Faith No More – „Superhero“

Wer daran gezweifelt hat, ob Faith No More noch mal jene Energie und Leidenschaft an den Tag legen könnten, die ihre bisherigen Alben ausgezeichnet hat, ist bereits mit diesem Song widerlegt. Song für Song zieht „Sol Invictus“ den Hörer tiefer in seinen unwiderstehlichen Sog: Sunny Side Up beginnt als verspielte groovige Ballade und explodiert urplötzlich im Kakophonie-Inferno; Separation Anxiety ist ein von toolesken Basslinien getragener, treibender Song, in dem Patton wie ein garstiger Kobold ins Mikro faucht, bevor ein wuchtiger Rhythmuswechsel einsetzt und den Track in ein furioses Crescendo treibt; Cone of Shame beginnt mit einem mystisch angehauchten Gitarrenriff, zu dem sich dezentes Marschtrommeln und Pattons wunderbar harmonischer Gesang gesellt, bevor der Sänger plötzlich wieder in einen diabolischen Sprechgesang verfällt, der dem Hörer kalte Schauer über den Rücken jagt – in der Mitte explodiert der Song schließlich im klassischen FNM-Staccato und changiert zwischen harmonischen Chören und wilden Schreien. Und das war erst die erste Albumhälfte!

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Irre Dynamik bis zum furiosen Finale

Die zweite beginnt mit der verträumten Halb-Ballade Rise of the Fall, die eine geniale Laut-Leise-Dynamik an den Tag legt. Im Anschluss kommt mit Black Friday der vielleicht ungewöhnlichste Song der Platte: eine von verspielten Akustik-Gitarren getragene Western-Rock-Nummer, in der Pattons Stimme ein ungewöhnliches Timbre annimmt. Dann schließlich folgt die neue Band-Hymne Motherfucker, mit der Faith No More Ende letzten Jahres ihr erstes musikalisches Lebenszeichen von sich gegeben hatten.

Zum Abschluss gibt’s ein absolut episches Finale: Matador ist sechs Minuten pure Audio-Magie zwischen spannungsgeladener Moll-Schwermut und erlösender Dur-Schönheit. Das finale From The Dead beschert dem Album schließlich einen luftigen Abschluss, bei dem man nach dem überwältigenden Wechselbad der Gefühle, durch das einen „Sol Invictus“ geleitet hat, die unbesiegliche Sonne aufgehen spürt.

Faith No More – „Sol Invictus“

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DAS Rock-Comeback der letzten Jahre

Mit „Sol Invictus“ haben Faith No More allen Zweiflern die Hörner aufgesetzt und ihren treuen Fans ein nicht mehr für möglich geglaubtes Meisterwerk beschert. Welcher Band ist nach 18-jähriger Auszeit schon mal ein dermaßen grandioser Coup gelungen?

Im Juni spielen Faith No More zwei mit Spannung erwartete Shows in Deutschland – sowohl für Berlin (6. Juni) als auch für Hamburg (23. Juni) sind noch Tickets erhältlich!

bf / eventim / rezensionen

Bilder: Dustin Rabin, Pias

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

Ein Kommentar

  1. als alter fanboy kann ich sagen, dass es ganz und gar (nicht) überraschend ist, was die jungs hier abgeliefert haben.
    1. waren sie immer überraschend, nie vorhersehbar.
    2. waren alle ihre alben grossartig, einige davon sogar ikonisch
    was mich aber am meisten freut, ist, dass ihre musik noch immer aktuell und erfrischend ist.

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