FAITH NO MORE in Hamburg: We cared a lot!

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2015 wird in die Musikgeschichte eingehen als Jahr der Rückkehr der Legenden. Just heute ist beispielsweise das neue Album der schwedischen Hardcore-Wegbereiter Refused erschienen – 17 Jahre nach ihrer Auflösung. Auch die Crossover-Pioniere Faith No More haben erst vor kurzem nach ähnlich langer Auszeit mit dem furiosen Sol Invictus ihr Comeback gefeiert – doch können die Männer um Frontdiva Mike Patton nach all den Jahren auch live überzeugen? Wir waren bei ihrer Show in Hamburg dabei.

Die Sporthalle explodiert

Nur zwei Hallenshows spendierten die Amis ihren deutschen Fans – Berlin und Hamburg konnten sich glücklich schätzen, die wiedererweckten Faith No More begrüßen zu dürfen. Etwa zwei Wochen nach der gefeierten Open-Air-Show in der Zitadelle kamen Mike Patton & Co. nun nach Hamburg und bahrten natürlich auch hier ihre strahlende Bouqet-Kulisse auf der Bühne auf. Doch blumig ist an diesem Abend nur das Drumherum – die Musiker selbst tanken sich so wuchtig und souverän durch ihr Set, dass der Saal ein ums andere Mal explodiert.

Blütenweiße Weste, düsteres Flair: FNM sind zurück!

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Vieles hängt bei einer Faith-No-More-Show von Galionsfigur Mike Patton ab: Ist er (für seine Verhältnisse) gut gelaunt? Hat er seine Stimme richtig kalibriert? Beide Kardinalfragen lassen sich zum Glück mit einem „Ja!“ beantworten: Der unberechenbare Sänger interagiert dezent mit dem Publikum („Hallo, nett euch kennenzulernen! Wie geht’s euch? Wir sind Faith No More!“) und schmettert die 18 Songs des Sets mit Bravour in die bestens gefüllte Halle. Etwa 6.000 FNM-Fans feiern ihre alten, neuen Helden und deren zeitlose Hits.

Motto: aggressiv sein!

Den Auftakt feiern Patton und Co. mit der ersten Single aus ihrem aktuellen Album „Sol Invictus“, das Mitte Mai auf Platz #4 der deutschen Charts schoss: „Motherfucker“. Darauf folgt der 22 Jahre ältere „Angel Dust“-Track „Be Aggressive“, dessen Titel zum Leitmotiv dieses Abends avancieren soll: Mit unbändiger Kraft und Aggression präsentieren sich die altehrwürdigen Crossover-Helden – und fast hat es den Anschein, als wären sie nie weg gewesen.

Mike Patton: Nach all den Jahren immer noch hungrig!

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Hymnen, Hits, Klassiker

Naturgemäß können Faith No More in einer Show nicht all ihre Hits spielen – davon gibt es einfach zu viele. Immerhin dürfen sich die Fans über Kracher wie „Epic“, „Midlife Crisis“ oder das Commodores-Cover „Easy“ freuen, die allesamt in der ersten Set-Hälfte auftauchen. Die meisten anderen Bands hätten sich Songs solcher Güte vermutlich für die Zugabe aufgespart, wenn sie sie überhaupt je hätten schreiben können. Doch die Amis haben auch so genug Hymnen für die zweite Hälfte: Hier erklingen zum Beispiel „Digging The Grave“ oder „Ashes To Ashes“ und torpedieren die Fans auf direktem Wege zurück in die 90er.

Dazwischen erklingen immer wieder Songs vom neuen Album, wie „Separation Anxiety“, „Matador“ oder „Superhero“ – diese sind zwar auch grandios, lösen aber naturgemäß (noch) nicht die ganz großen Gefühle beim Publikum aus. Beim nächsten Mal dann!

Als Zugabe gibt’s den neuen Song „Rise Of The Fall“ und mit „We Care A Lot“ und „I Started A Joke“ zwei absolute Klassiker der Faith-No-More-Diskografie.

Der Meister der schrägen Mimik

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Ungebrochene Faszination

Altersschwach? Langweilig? Obsolet? Nein, nein und nochmals nein! Mit der Show in der Hamburger Sporthalle haben Faith No More eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch zwei Dekaden nach ihrer Blüte nichts von ihrer magischen Faszination verloren haben.

Danke, Faith No More, für diesen fantastischen Abend!

bf / eventim / live business

Bilder: Ben Foitzik

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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