REFUSED: Nach 17 Jahren überrollen uns die Schweden mit dem neuen Album „Freedom“

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Morgen ist es endlich so weit: Die schwedische Hardcore-Punk-Ikone Refused, die mit ihren Alben „Songs to Fan the Flames of Discontent“ (1996) und „The Shape of Punk to Come“ (1998) unbestrittene Meilensteine des Genres abgeliefert hat, meldet sich nach 17 langen Jahren mit einem neuen Album zurück. Doch haben Refused nach all der Zeit überhaupt noch die Klasse, Power und Leidenschaft für den Nachfolger eines modernen Klassikers? Oder geht der Schuss – wie bei einigen ihrer Kollegen – in den Ofen?

Bullshit. Mit Freedom machen Refused nahtlos dort weiter, wo sie vor ihrer spektakulären Trennung im Jahr 1998 aufgehört haben: Das Album ist schlichtweg eine Offenbarung. Gut – dass es zumindest keine Katastrophe werden würde, hatte sich durch die starken Single-Auskopplungen „Elektra“, „Françafrique“ und „Dawkins Christ“ bereits angedeutet. Dass einen die Schweden auf „Freedom“ jedoch mit einer dermaßen niederschmetternden Wucht aus den Schuhen ballern würden, hätten wohl nicht die kühnsten Optimisten zu hoffen gewagt.

Horchen wir doch noch mal in den Opener „Elektra“ rein, in dem Sänger Dennis Lyxzén das Mantra „nothing has changed“ wie ein wilder Berserker aus seiner Lunge keift:

Refused – Elektra

Nach diesem furiosen Auftakt stellen Refused im mit vertrackter Rhythmik aufwartenden „Old Friends / New War“ unter Beweis, dass sie immer noch ein geniales Händchen dafür haben, wann man Vollgas geben muss und wann man das Tempo auch mal ein wenig drosseln kann, um Spannung aufzubauen. Erneut beweisen sie dies in der Midtempo-Nummer „Thought Is Blood“, die nach einem sanften Beginn plötzlich mit wuchtigen Riffs explodiert, nur um kurz darauf in einen langsamen Groove überzugehen. Keine Frage: Refused haben 2015 nichts von ihrer Einzigartigkeit und visionären Magie verloren.

Mehr Stoff vom neuen Album:

Refused – Dawkins Christ

Frontmann Dennis Lyxzén sagt über die glorreiche Wiedervereinigung der Band: „Es ist eigentlich schon keine Reunion mehr – es ist eine der radikalsten Sachen, die wir je gemacht haben, sowohl musikalisch als auch lyrisch.“ Drummer David Sandström ergänzt: „Niemand wollte, dass wir das Image der Band zerstören, die ein großartiges Album macht und sich dann auflöst – niemand wollte, dass wir das verwässern. Das hat uns provoziert.“

Und mit Provokation, da kennen sich wahrlich Refused aus. Inhaltlich haben sie in „Freedom“ unter anderem die europäische Politik und den Kapitalismus per se aufs Korn genommen. Das Albumfinale „Useless Europeans“ spricht Bände. Auch musikalisch haben sie Wiederauferstandenen noch ein paar provokante Spielereien mit an Bord, die einigen Hardcore-Fans eventuell Kopfschmerzen bereiten könnten: In „War On The Palaces“ schütteln sie plötzlich eine Bläser-Sektion aus dem Ärmel, in „Servants Of Death“ zollen sie wiederum Pop-Legenden wie Michael Jackson und Prince Tribut.

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„Wir hätten auf Nummer sicher gehen und nur Songs in der bewährten Hardcore-Tradition machen können“, sagt Bassist Magnus Flagge. „Doch daran hatte keiner von uns Interesse.“ Wie es sich für wahre Sound-Pioniere eben gehört.

Es klingt zwar cheesy, aber man muss es noch mal so deutlich sagen: Refused are fucking alive! Und sind im Oktober als Support von Rise Against live zu sehen. Dieses einmalige Package sollte sich kein Punkrock-Fan entgehen lassen – jetzt Tickets sichern!

Und so schaut „Freedom“ aus:

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bf / eventim / reviews

Bilder: Dustin Rabin (top), Epitaph

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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