ADELE – das neue Album „25“ im Check

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Welch ein Aufruhr im Vorfeld des neuen Adele-Albums: Als im Oktober in der Werbepause der britischen Castingshow „The X Factor“ mit einem 30-sekündigen Teaser von „Hello“ Adeles erstes musikalisches Lebenszeichen nach mehrjähriger Funkstille erklang, überschlug sich die Musikwelt vor Euphorie.

Ein paar Tage später kam dann die offizielle Bestätigung: Ja, Adeles drittes Album ist im Anmarsch und erscheint am 20. November 2015. Ergebnis: Ausnahmezustand bei allen Fans der britischen Power-Stimme, die mit ihren ersten beiden Alben – „19“ von 2008 und „21“ von 2011 – Musikgeschichte geschrieben und Verkaufsrekorde gebrochen hat.

Adele ist kein Streaming-Fan

Nun ist „25“ endlich erschienen, bislang allerdings „nur“ in physischer Album-Form und als MP3-Download – die User von Gratis-Streaming-Diensten wie Spotify gucken (beziehungsweise hören) noch ins Leere. Doch auch ohne das dürfte längst feststehen, dass „25“ zu einem der erfolgreichsten Alben der Neuzeit avancieren wird.

Kommerzieller Erfolg ist eine, Kritiker-Erfolg eine andere Sache – bislang heimst Adeles dritter Streich sowohl kritische als auch lobhudelnde Töne ein: Zwischen „The new boring“ und „Pop kann nicht perfekter sein“ bewegen sich die ersten Kritiken zu „25“. Zwei Pole, die man beide nachvollziehen kann: Die erste Hälfte des Albums ist mit ihren abwechslungsreichen Songs tatsächlich Popmusik in Perfektion. Die zweite hingegen gestaltet sich in ein puncto Songwriting dann eher repetitiv, wenngleich die einzigartige Stimme von Adele immer noch jeden der Songs zu einem großartigen Erlebnis macht.

„25“ en detail

Völlig logisch beginnt das neue Adele-Werk mit ihrer Mega-Single „Hello“, über die man vermutlich nicht mehr viel sagen muss. Der Wikipedia-Eintrag zu diesem Song ist länger als manche ausführliche Künstlerbiografie. Gut möglich, dass „Hello“ auch der beste Song des ganzen Albums ist – mehr Pathos, Bombast und Stimmpower kann es in einem Song schließlich kaum geben. Ganz anders schickt sich der zweite Track der Platte an: „Send My Love (To Your New Lover)“ beginnt mit groovigem Gitarrenzupfen und entspinnt sich zu einer luftigen und verspielten R’n’B-Nummer, in der Adele ihre schmerzhafte Trennung überwunden zu haben scheint und der Neuen ihres Ex alles Gute wünscht.

Mit „I Miss You“ folgt ein düsterer, fast sechsminütiger Downtempo-Song, bei dem Adeles faszinierende Vocal Range perfekt zur Geltung kommt. „When We Were Young“ wiederum ist eine Gänsehaut-Piano-Ballade, wie sie auf dieser Welt nur Adele intonieren kann. Und die Soul-Ballade „Remedy“ besticht mit rauchigem Gesang und kräftigen Stimmband-Kapriolen der Ausnahmesängerin.

Etwas schwächere zweite Hälfte

Mit dem sechsten Song des Albums, „Water Under The Bridge“, einer Midtempo-Nummer mit Gospel-Choire-Elementen, beginnt das Niveau dann ein wenig zu verwässern. Es folgen weitere Piano-Balladen wie das mit Streicher-Pathos versehene „Love In The Dark“ oder die Herzschmerz-Nummer „All I Ask“, das gefällige „River Lea“, in dem Adele neue stimmliche Untiefen auslotet, und das mit „wohoo“-Chorussen ausgestattete Finale „Sweetest Devotion“. Der charmante Akustik-Gitarren-Song „A Million Years Ago“, bei dem man sich Adele gut am Lagerfeuer sitzend vorstellen kann, setzt sich in der zweiten Hälfte noch mal erfreulich vom übrigen Piano-Balladen-Style ab.

Fazit: Die Vielzahl an unterschiedlichen Songwritern – fast jeden Track hat Adele mit einem anderen Schreiber angefertigt – sorgt nicht unbedingt dafür, dass „25“ ein stringentes Album geworden ist. Die grandiose Stimme von Adele sorgt aber dafür, dass Album #3 dennoch überwältigt.

Letztlich ist „25“ Bombast-Pop vom Feinsten, der einem ein ums andere Mal eine Gänsehaut beschert, mitunter aber ein wenig überproduziert ist und etwas zu viel Piano-Schlagseite hat. Adeles stimmliche Virtuosität und Perfektion sind natürlich nach wie vor beeindruckend – manchmal vermisst man aber auch ein wenig das Fragile und Kratzige in ihrer kraftvollen Stimme. Zumal die 27-jährige Britin bei ihrer Außendarstellung ja so viel Wert darauf legt, dass sie eben nicht perfekt ist.

So oder so: Adele-Fans werden jeden Song auf dem neuen Album lieben!

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Foto: XL Recordings

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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