TÜSN – Anders als alle anderen

tuesn-tickets-2015

Vorhang auf für ein ominöses Schattenkabinett, das uns mit seinem Debütalbum „Schuld“ auf einen musikalischen Sühnetrip durch die finsteren Fahrwasser der eigenen Seele entführt. Vorhang auf für Tüsn, eine der spannendsten deutschen Bands seit langem!

Spannend zum einen natürlich aus musikalischer Hinsicht. Mit seinen ersten Songs „Schwarzmarkt“ und „Zwang“, die seit Ende 2014 bzw. Anfang 2015 durch die Szene geistern, hat das Berliner Trio für ordentlich Furore gesorgt – weil sie schlichtweg anders sind als alles, was man vorher in der deutschen Musiklandschaft gehört hat. Doch: Wovon sprechen wir überhaupt? Was ist anders am Tüsn-Sound?

Synthesizer, Bass, Schlagzeug – das sind die Bausteine, aus denen Snöt, Tomas und Daniel alias Tüsn ihren einzigartigen Sound zusammenklöppeln. Per se nichts Ungewöhnliches, durch die betörende Stimme von Sänger Snöt jedoch bekommt der hymnenhafte, wavige Düster-Pop-Sound der Band einen mitunter morbiden Touch. Morbider Pop: ein Widerspruch in sich, der jedoch in einem fesselnden Ohrwurm-Hit wie „Schwarzmarkt“ vollkommen Sinn ergibt. „Reden ist Silber, Tanzen ist Gold“ schmettert Snöt mit seiner herrlich kräftigen, aber auch immer wieder ins Fragile abgleitenden Stimme, die von hypnotischen Bassläufen und von beschwingten Synthie-Klängen unterlegt ist. Bei diesem Tanzflächen-Hammer, der bei Spotify schon weit über eine Million Plays verzeichnet, wirken Tüsn fast ein bisschen wie der düstere Gegenentwurf zu glitzerndem Deutsch-Pop der Marke Frida Gold. Auch wenn der Vergleich natürlich hinkt wie ein einbeiniger Pirat.

TÜSN – Schwarzmarkt

https://youtu.be/munSTRchIC8

Die andere spannende Komponente dieser Berliner Band ist die mysteriöse nebulöse Aura, die sie umweht. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter sucht man Tüsn bislang noch vergebens, und auch auf tuesn.de erfährt man nicht viel über die Hintergründe dieser faszinierenden Band. Die drei Berliner treten bewusst in den Hintergrund lassen ihre Musik sprechen. Und wie: „Flute mich, mach mich leichtgläubig. Mach dich reich an mir, verglüh mich grell, bis der Rand zerfällt. Der die Zeit verliert, paralysiert, ganz irritiert, bis der Wille bricht“, heißt es in „Zwang“. Klingt schräg? Nicht halb so schräg wie das fantastische Musikvideo zum Song, das kein Geringerer als Zoran Bihac inszeniert hat, der schon für deutsche Superstars wie Rammstein, Grönemeyer und Die Fantastischen Vier gearbeitet hat. Von den anderen fantastischen Kunst-Videos zu „Schwarzmarkt“ und dem ultraschrägen „Hannibal“ ganz zu schweigen.

Das Tüsn-Debütalbum „Schuld“ erscheint zwar erst am 12. Februar 2016, doch bereits im Dezember dieses Jahres werden Snöt, Tomas und Daniel ihren Sound bei einigen Deutschland-Dates (siehe unten) live ans Volk bringen. Dass sie auch live ein einzigartiges Erlebnis ist, haben Tüsn im Sommer beispielsweise auf so unterschiedlichen Festivals wie Rock am Ring oder dem Melt! bewiesen.

TÜSN – Zwang

https://youtu.be/Y0oinoomuFM

„Jeder sucht nach etwas, das er nicht finden will,“ behauptet Snöt in „Schwarzmarkt“. Kann sein, doch in diesem Fall muss man ganz klar sagen: Tüsn ist keine Band, die du findest. Tüsn ist eine Band, die dich findet. Und mit ihren schwarzen Greifern nicht mehr loslässt.

TÜSN live

15.12.2015, Leipzig – Moritzbastei
16.12.2015, München – Strom
17.12.2015, Frankfurt – Nachtleben
18.12.2015, Hamburg – Nochtspeicher
19.12.2015, Köln – MTC

Tickets gibt es auf eventim.de.

Foto: FKP Scorpio

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

Schreibe einen Kommentar