FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES:
der Hardcore-Punk-Sattelschlepper

frank carter and the rattlesnakes tickets 2016

Wut, Aggression, Hass – das sind die Kräfte, die die Musik von Frank Carter & The Rattlesnakes antreiben. Das britische Quartett um den ehemaligen Gallows-Keifer Frank Carter präsentiert auf seinem Debütalbum „Blossom“, das im August 2015 erschien, zehn kompromisslose Hardcore-Punk-Granaten, die – analog zum ersten Albumtrack „Juggernaut“ – wie ein tonnenschwerer Sattelschlepper über den Hörer hinwegfegen.

Nach seinem Abschied von Gallows im Jahr 2011, mit denen er die beiden erstklassigen Alben „Orchestra Of Wolves“ und „Grey Britain“ eingeprügelt hatte, schlug der unberechenbare Rotschopf zunächst gemäßigtere Pfade ein: Als Leadsänger der britisch-amerikanischen Band Pure Love frönte Carter dem melodischen Rock und schien seine musikalische Hass-Phase damit überwunden zu haben: „I’m so sick of singing about hate, it’s never gonna make a change“, verkündete er im Song „Bury My Bones“ vom Pure-Love-Debütalbum „Anthems“ aus 2013.

Frank Carters Pure Love gilt dem Hardcore Punk

Lange hat die „echte Liebe“-Phase allerdings nicht gehalten: Nach nur einem Album war schon wieder Schluss mit Pure Love und Carter kehrte aus New York in seine britische Heimat zurück, der er nach dem Ausstieg bei Gallows den Rücken gekehrt hatte. Doch schon bald hob der Sänger mit dem außergewöhnlichen Reibeisenorgan eine neue Band aus der Taufe: Unter dem Namen Frank Carter & The Rattlesnakes exorzierte er 2015 wieder seine eigenen Dämonen. „Devil Inside Me“, „Trouble“, „Beautiful Death“ oder „I Hate You“ heißen die Titel auf dem in der Szene begeistert aufgenommenen Debütalbum der Band – „so sick of singing about hate“ war also einmal.

So gut das Pure-Love-Album auch gewesen sein mag – Frank Carter und kompromissloser Hardcore Punk passt einfach besser zusammen als Frank Carter und melodiöser Alternative Rock. Zwar hat das wandelnde Ganzkörpertattoo auch eine faszinierende cleane Stimme, doch am überwältigendsten ist Carter einfach, wenn er sich die Lunge aus dem Hals keift, seine Stimmbänder zu reißen scheinen und er seinem Menschheits- und Selbsthass freien Lauf lässt. Dabei haut er sich auf der Bühne – wie zu besten Gallows-Zeiten – gerne auch mal die eigene Rübe mit dem Mikro blutig, so tief ist er in seiner Berserker-Rolle gefangen.

Dämonen exorzieren mit Frank Carter & The Rattlesnakes

Trotzdem sind die zehn Tracks auf „Blossom“ alles andere als stumpf: Immer wieder gibt es Tempo-Variationen und abwechslungsreiches Songwriting. „Beautiful Death“ beispielsweise beginnt mit melancholischem Sprechgesang, bevor Carters Stimme plötzlich wieder dermaßen irrsinnige Kapriolen schlägt, dass man beim Zuhören fast schon Phantomschmerzen bekommt. Auch mit Tracks wie dem nachdenklichen „Primary Blossom“, in dem sich Carter mit dem Tod beschäftigt, oder der nahezu bluesigen Rockballade „I Hate You“ brechen der Sänger und seine Musikanten aus dem engen Hardcore-Punk-Korsett aus und belegen eindrucksvoll, dass Frank Carter & The Rattlesnakes viel mehr sein können als „nur“ eine äußerst aggressive Hardcore-Punk-Truppe.

Genauso wie Frank Carter in dieser Musik seine Dämonen auszutreiben scheint, kann man mit „Blossom“ auch als Hörer negativen Ballast loswerden. Ein faszinierendes Album, das dem Gallows-Debüt „Orchestra Of Wolves“ in puncto Wucht und Intensität in nichts nachsteht und vor allem auch live für kollektiven Wutexorzismus sorgt. Bitte hiermit unbedingt weitermachen, Herr Carter!

Bilder: Wizard Promotions


FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES TICKETS

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Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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