Musikikone DAVID BOWIE ist tot

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Traurige Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich: Laut seiner Facebook-Seite ist David Bowie, einer der letzten großen Künstler unserer Zeit, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag einem langwierigen Krebsleiden erlegen. Sein Sohn Duncan Jones hat die betrübliche Kunde via Twitter bestätigt.

Erst vor drei Tagen haben wir David Bowies 25. Studioalbum „Blackstar“ gefeiert, das er an seinem 69. Geburtstag veröffentlicht hatte, nun müssen wir seinen Tod betrauern. Folgender Eintrag erschien vor wenigen Stunden auf Bowies offizieller Facebook-Seite: „10. Januar 2016 – David Bowie starb heute friedvoll im Kreise seiner Familie nach einem 18-monatigen Kampf gegen den Krebs. Sicher werden viele von euch an diesem Verlust Anteil nehmen wollen, doch wir möchten darum bitten, dass ihr die Privatsphäre der Familie in dieser Zeit der Trauer respektiert.“

Der Post von David Bowies offizieller Facebook-Seite:

January 10 2016 – David Bowie died peacefully today surrounded by his family after a courageous 18 month battle with…

Posted by David Bowie on Sonntag, 10. Januar 2016

Die kurzzeitige Hoffnung einiger Fans, es könnte sich dabei um einen geschmacklosen Internet-Hoax oder einen Facebook-Hack handeln, zerschlug sich leider schnell: Bowies Sohn Duncan Jones bestätigte die Meldung kurz danach via Twitter und postete ein altes Bild, wie er als kleiner Junge auf den Schultern seines Vaters sitzt:

David Bowie – einer der größten Künstler unserer Zeit

Ohne Zweifel war David Bowie einer der kreativsten, wandelbarsten und faszinierendsten Künstler unserer Zeit. Fünf Dekaden lang mischte er die Musikszene auf und verblüffte, begeisterte, bannte, verstörte, schockierte immer wieder mit seinem exaltierten Style und seinen musikalischen und äußerlichen Wandlungen. Mit seinem selbstbetitelten Album, das auch unter dem Namens des Openers „Space Oddity“ bekannt ist, feierte er 1969 seinen künstlerischen Durchbruch und schickte sich in den folgenden Jahren an, die Rockmusik zu revolutionieren. Rock, Folk, Prog, Soul, R’n’B und Pop verschmolzen beim extrovertierten Bowie zu einem einzigartigen Klangkosmos, den er durch den konsequenten Wechsel seiner Stage-Persona zu einem schillernden Gesamtwerk machte.

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David Bowie: Ein Mann mit vielen Gesichtern (© Parlaphone)

Ziggy Stardust und The Thin White Duke

Anfang der 70er wurde er auf seinem Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ zum androgynen Glam-Rock-Star Ziggy Stardust, als der er 1973 höchstdramatisch während einer Show zurücktrat. Auf „Station to Station“ von 1976 verwandelte er sich in den emotional erkalteten Thin White Duke, der stark von Bowies permanentem Drogenkonsum gezeichnet war. Im gleichen Jahr war er in Nicolas Roegs Science-Fiction-Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ erstmals auch als Schauspieler zu sehen und verkörperte darin den Außerirdischen Thomas Jerome Newton, der auf die Erde kommt, um nach Wasser für seinen Wüstenplaneten zu suchen.

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Schrill und exaltiert: Bowie in den Siebzigern (© Sukita)

Ende 1976 zog Bowie nach Westberlin und schuf mit „Low“, seinem Meisterwerk „Heroes“ und „Lodger“ die drei experimentellen Werke seiner Berlin-Trilogie. In den 80ern tauchte der stets nach neuen Inspirationen suchende Musiker in die New-Wave-Musik ab, während er in der Folgedekade seine elektronische Ader auslebte. Nach dem Album „Reality“ von 2003 trat er aufgrund von Herzproblemen kürzer und kehrte erst zehn Jahre später wieder mit einem neuen Album zurück, dem allseits gefeierten „The Next Day“.

Blackstar – David Bowies „Abschiedsgeschenk“

Am 8. Januar 2016 erschien mit „Blackstar“ das 25. und letzte Studioalbum von David Bowie (wie es ist, lest ihr hier). Ein Album, das angesichts seines Krebsleidens und Todes nur zwei Tage nach seinem Erscheinen tragischerweise neuer Deutung bedarf. Auf Facebook sagt Bowies langjähriger Freund und Produzent Tony Visconti über Bowies letztes Album: „Sein Tod war genauso wie sein Leben – ein Kunstwerk. ‚Blackstar‘ ist sein Abschiedsgeschenk für uns.“

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Während der Arbeiten an „Blackstar“ kämpfte David Bowie gegen den Krebs (© Jimmy King)

Kaum ein zweiter Musiker der vergangenen 50 Jahre hat wohl ein derart außergewöhnliches, mannigfaltiges und widersprüchliches Oeuvre hinterlassen wie der am 8. Januar 1947 im englischen Brixton geborene David Robert Jones. David Bowie hat als Sänger, Songwriter, Schauspieler, Maler und noch vieles mehr die moderne Musik und Kunst geprägt. Er war Musikgenie, Soundinnovator, Selbsterneuerer, Stilvisionär und Meister der Selbstinszenierung – einer der letzten wahrhaft großen Künstler.

Ground Control to Major Tom: Ruhe in Frieden – auf welchem Planeten auch immer du nun weilen magst. Danke für die Magie, David Bowie.

Bilder (von oben abwärts): Jimmy King, Parlaphone, Sukita, Jimmy King

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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