BÜLENT CEYLAN – das kronke Interview

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Dieser Mann hat ein paar ganz schön turbülente Jahre hinter sich: Er kämpfte gegen die wilden Kreatürken und frönte leidenschaftlich dem Haardrock. Doch das Leben auf der Überholspur hat seinen Preis gefordert: Seit kurzem ist Bülent Ceylan nämlich „Kronk“. Und doch steht der Mannheimer Comedian weiter seinen Mann: Mit dem gleichnamigen neuen Programm ist er ab jetzt in ganz Deutschland unterwegs. Was wir davon erwarten können und wie das generelle Befinden bei der witzigsten Mähne Deutschlands ist, erzählt er uns im Interview.

Helle Aufregung im Hamburger EVENTIM-Headquarter: Bülent Ceylan ist soeben in die Tiefgarage eingefahren – bringt eure Haarpflegeprodukte in Sicherheit! Nachdem wir den Comedian, der die deutsche Comedy-Szene in der vergangenen Dekade wie nur wenige andere geprägt hat, aus den Parkhauskatakomben befreit und in unser Verhörzimmer verfrachtet haben, steht uns der junge Mann (40 ist das neue 20!) Rede und Antwort zu seinem neuen Programm „Kronk“. Dabei stellt sich heraus, was wir ohnehin vermutet haben: Auch abseits der Bühne ist der Bülent ein echt dufter Typ.


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Bülent Ceylan im Interview:

„Fitness-Wahn, Facebook-Sucht,
Shoppen gehen – das ist doch alles kronk!“



Bülent, du hast gerade die ersten Vorpremieren zu „Kronk“ absolviert – lief’s denn gut?
Lief supergeil. Ich probiere ein neues Programm immer erst auf Kleinkunstbühnen aus – das waren jetzt vier Shows und jedes Mal gab es Standing Ovations. Die Leute sind begeistert, weil das neue Programm nicht nur Comedy, sondern da und dort auch mal ein bisschen politischer ist. Thema Flüchtlinge, Thema Nazis und Pegida – solche Sachen kommen auch mal vor, aber nicht so, dass es zu schwer wird, sondern dass die Fans sagen „Geil, da ist auch mal ‘ne Message und Haltung zu gewissen Themen drin“.

Erzähl‘ doch ein wenig mehr über das neue Programm.
Ich habe ja die Figuren Harald, Hassan, Mompfreed, Anneliese – und die reden darin über alles, was krank ist. Das Programm heißt „Kronk“ – für euch als Hochdeutschsprecher natürlich „Krank“ – weil die ganze Welt ja irgendwie krank ist: Fitness-Wahn, Facebook-Sucht, Shoppen gehen, was für einen Mann ganz schlimm ist, das ist auch krank. Eben alles, wo du sagst „Das ist doch krank!“ Oder: „Ich fang‘ schon langsam an, Angela Merkel sympathisch zu finden – das ist doch krank!“ Und dann lachen die Leute schon. Oder: „Das Klima erwärmt sich und Frauen haben immer noch kalte Füße – das ist… kronk!“ Es geht grundsätzlich schon ums Ablachen, aber auch darum, da und dort mal eine Message zu setzen. Wie gesagt: Im Moment kommt es supergeil an. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich mal andere Themen angesprochen und davor auch keine Angst habe.

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Mompfreed reitet in die Schlacht

Comedy mit ernsthaften Themen anzureichern, ist ja auch ein schmaler Grat.
Ja, es darf nicht zu schwer werden, dass die Leute sagen „Ahhh, jetzt muss ich mir das auch noch mal geben“. Aber die Leute erwarten das irgendwo auch bei mir, weil ich eine deutsche Mama und einen türkischen Papa habe. Die wollen wissen, wie ich das alles sehe. Und wenn ich dann sage „Ist es euch schon mal aufgefallen? Die Türken sind jetzt die Guten, die stehen sogar über den Griechen vom Image her“, dann lachen die. Ich gehe auch ein bisschen auf die Österreicher los – ein kleiner Seitenhieb nach dem Motto „Bei den Österreichern heißt es jetzt nicht mehr Reiseführer, sondern Durchreiseführer“. Jeder kriegt ein wenig sein Fett ab, das gehört auch dazu. Aber immer so, dass trotzdem noch der Respekt bewahrt bleibt. Wobei am Ende als Zugabe noch so ein Lied auf Nazis in der Metal-Version kommt, das heißt „Arsch der Welt“… direkter kann man es nicht machen. Das ist schon ‘ne Ansage. Die habe ich aber schon immer im Programm gehabt.

Wie schwierig ist es für dich, so ein neues Programm zu lernen?
Ich kann sehr schnell auswendig lernen, innerhalb von einer Woche habe ich so ein Zwei-Stunden-Programm drauf. Das geht sehr schnell bei mir, wenn mir die Gags auch gefallen.

Wenn dir die Gags gefallen?! Du würdest doch keine Gags machen, die dir nicht gefallen…?
Jajajaja, ich meine Gags, wo ich sage „das fließt so“. Bei manchen Gags bist du dir auch manchmal nicht so sicher – du weißt zwar, dass das vom Übergang her passen müsste, aber dann merkst du auf einmal: Der hat nicht so gezündet, wie ich gedacht habe. Einen habe ich immer noch drin, da geht’s um die Computerwelt, dass die sich so schnell verändert im Vergleich zu früher. Und dann sage ich „Die Einzige, die früher ein Tablet hatte, war deine Mutter“. Manche verstehen das nicht sofort, und dann erkläre ich das sogar und dann lachen die Leute immer – das ist cool, dann kannst du mit dem Publikum spielen. Normalerweise soll man ja nie einen Gag erklären, aber den bringe ich trotzdem, weil er mir gefällt. Ich liebe auch das Improvisieren – die Leute sollen immer das Gefühl haben, ich spiele gerade nur für sie.

Danke fürs Gespräch, Bülent – und viel Erfolg mit „KRONK“!

Bilder: Kulturbureau

PS. Lest hier den zweiten, etwas ernsthafteren Teil vom Interview mit Bülent Ceylan.


BÜLENT CEYLAN >>> TICKETS

Ihr wollt Bülent Ceylan live und in Farbe erleben? Kein Problem: Tickets für sein neues Programm „KRONK“ gibt es auf eventim.de.


Allgemein

Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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