GHOST und die perfekte (Horror)Show.
Oder: Bizarro in Bremen

ghost tickets 2016

Okay, wir hatten im Dezember schon mal einen Live-Bericht zur Ghost-Show in Hamburg. Aber: Wir mussten danach einfach auch noch zum Bremen-Gig am 21. Februar im Schlachthof fahren – wir MUSSTEN. Denn: Ghost sind wie eine Sucht, sowohl auf Platte als auch mit ihrer grotesk überzogenen Bühnenshow. Und nein, diese Sucht ist nicht der Tatsache geschuldet, dass die schwedischen Okkult-Rocker im Vorfeld ihrer Performance stets tonnenweise Weihrauch in den Saal ballern.

Ghost lesen Bremen die Messe

Nach der Vorband Dead Soul füllt sich der im Stile eines Amphitheaters aufgebaute Saal des Schlachthofs kontinuierlich mit dem langsam verglühendem Gummiharz des Weihrauchbaums. Sakrale Töne mäandern aus den Boxen, die Stimmung im prall gefüllten Schlachthof ist zum Bersten gespannt. Als schließlich Papa Emeritus III. und seine fünf namenlosen, in klerikale Einheitsuniformen gekleideten Ghouls die Bühne betreten, beginnt eine anderthalbstündige Musikmesse, die einfach alles zu bieten hat, was eine perfekte Show braucht: Musikalische Hymnen, ein stimmiges Konzept und einen Frontmann, der nicht nur fantastisch singen kann, sondern auch charmant und witzig mit dem Publikum kommuniziert.

Witzig? Ja, richtig. Die Inszenierung einer schwarzen Messe mit Anti-Papst und Biestmaskenmännern erfüllt bei Ghost schließlich nur einen einzigen Zweck: Entertainment. Mit Satans-Firlefanz hat das alles wenig zu tun. Vielmehr erinnern die Live-Auftritte der obskuren Schweden eher an ein mystisches Musical als an ein gewöhnliches Rockmusikkonzert.

Auch in Bremen präsentieren Ghost wieder ein unwiderstehliches Potpourri aus ihren bisherigen drei Studioalben „Opus Eponymous“, „Infestissumam“ und dem 2015er „Meliora“, wobei der Fokus klar auf den letzten beiden Platten liegt: Los geht die schwarz(humorig)e Musikmesse mit „Spirit“ und „From The Pinnacle To The Pit“, die auch den Auftakt des Erfolgsalbums „Meliora“ bilden. Von jener Hit-schwangeren Scheibe folgen natürlich noch weitere Kracher wie „He Is“, „Absolution“ „Mummy Dust“ und selbstverständlich „Cirice“, für das Ghost erst kürzlich sensationell mit dem Grammy Award für die „Best Metal Performance“ ausgezeichnet wurden. Aber auch das „Infestissumam“-Album kommt mit Songs wie „Body And Blood“, „Year Zero“, „Ghuleh/Zombie Queen“ und dem wie immer abschließenden „Monstrance Clock“ zu verdienten Ehren.

Zwischendrin gibt es immer wieder spaßige Showeinlagen von Papa Emeritus III., der nach ein paar Songs seine Papst-Robe und Mitra ablegt und im eleganten schwarzen Zwirn weitermacht – ohne freilich die Skelett-Maske abzunehmen und seine Identität preiszugeben. Auch die zwei aus dem Publikum gecasteten Nonnen sind natürlich wieder mit von der Partie und verteilen bei „Body and Blood“ wie immer Hostien und Wein an die Gemeinde. Etwas schade ist vielleicht, dass der Sänger den wohl schönsten Song – das Cover von Roky Ericksons „If You Have Ghosts“ – durch seine Erzählungen und die Vorstellung der einzelnen Ghouls ein wenig auseinanderreißt. Dennoch grölt die versammelte Gemeinde unisono aus voller Lunge: „If You Have Ghost You Have Everything!“ Gänsehaut. Tosender Applaus. Kollektive Happiness.

Der Gewinn bei den Grammy Awards, bei dem Ghost verdiente Recken wie Slipknot und Lamb Of God ausstachen, hat gezeigt: Diese Band steht gerade erst am Anfang und wird in den kommenden Jahren wohl richtig durchstarten – der Support-Slot für Iron Maiden bei deren bevorstehender „The Book Of Souls World Tour“ ist da erst der Anfang. Für ihre nächste Headliner-Tour werden Ghost dann vermutlich ganze Dome brauchen.

Und zum Abschluss noch ein paar Bilder von der Show:

Bilder: Ben Foitzik


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Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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