BIFFY CLYRO: die Schottenrocker im Interview –
und 2017 wieder auf Tour!

biffy clyro tickets tour 2017

Mit ihrem #1-Album „Ellipsis“ haben Biffy Clyro eine der besten Rockplatten des Jahres 2016 abgeliefert. Und damit nicht genug: Auf der gleichnamigen Tour haben uns die drei Schotten mal wieder gezeigt, wie mitreißend, kathartisch und schlichtweg wunderschön live erlebte Rockmusik sein kann. Kaum eine andere Band hat dermaßen viele Hits im Köcher und lebt ihre Musik auf der Bühne mit einer derartigen Leidenschaft aus wie Biffy Clyro. Im Vorfeld ihrer Show in Hamburg haben wir die Zwillinge James und Ben Johnston zum Interview getroffen. Was für großartige Typen!

Als wir die Tür zum Backstage-Bereich von Biffy Clyro in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg aufmachen, trauen wir unseren Augen nicht: Bassist James Johnston und sein trommelnder Zwillingsbruder Ben machen gerade Bocksprünge über ein altes Ledersofa. „Aufwärmübungen!“, hecheln sie uns zu, drehen noch ein paar weitere Runden und lassen sich dann erschöpft auf ihrem Turngerät nieder. Diese Jungs sind einfach immer noch die gleichen sympathischen Kasperköpfe geblieben, die sie vor neun Jahren waren, als wir sie zum ersten Mal trafen.

Sänger Simon Neil ist leider nicht mit dabei, lässt es sich aber nicht nehmen, persönlich abzusagen: „Sorry, Mann, das viele Sprechen tut meiner Stimme vor einer Show nicht gut“, entschuldigt er sich und hat natürlich unseren Segen. Wir selbst wollen ihn später schließlich aus voller Kehle Hymnen wie „Biblical“, „Black Chandelier“, „Mountains“, „Wolves Of Winter“, „Many Of Horror“… Hilfe! Biffy Clyro haben inzwischen einfach dermaßen viele Hits am Start, dass man sie kaum noch aufzählen kann.
(Ach ja: So war übrigens die anschließende Show in Hamburg!)

Biffy Clyro im Februar 2017 auf Tour

Wenn ihr das Schottentrio 2017 noch einmal live erleben wollt, solltet ihr euch übrigens ranhalten: Ein paar Tickets für die Februar-Shows von Biffy Clyro in Stuttgart, Bochum und Hannover gibt es noch!

Doch genug der Worte – Bühne frei für James und Ben von Biffy Clyro!


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James Johnston von BIFFY CLYRO:

„Ich habe noch keine Drogen gefunden, die dir den gleichen Adrenalin-Rausch geben können, den du auf der Bühne bekommst.“



Hey ihr beiden! Wie fühlt es sich an, die neuen Songs live zu spielen?
James: Großartig! Du bist wieder aufgeladen, neu fokussiert und weißt es zu schätzen, vor 6000 Menschen in Hamburg zu spielen. Nicht dass wir unsere Wertschätzung davor verloren hätten, aber nach einem Jahr Auszeit ist der Hunger einfach wieder da!

Waren eure Batterien nach dem letzten Tour-Zyklus leer?
James: Ja. Wir waren zwei Jahre auf Tour und haben in Russland, Australien, Südamerika und Südafrika gespielt – und natürlich auch Europa, Japan und Amerika. Es war eine tolle Zeit, aber danach war der Tank einfach leer. Ich glaube, es ist wichtig, dann auch mal eine Pause zu machen. Obwohl wir in den ersten Monaten auch ziemlich desillusioniert waren: Du warst 15 Monate auf Tour und hattest jeden Abend eine Aufgabe – und plötzlich geht’s nach Hause und du liegst da und denkst „Ich habe keine Ahnung, was mein Leben für einen Sinn hat“. Das klingt ein wenig melodramatisch, aber genau so haben wir uns ein paar Monate lang gefühlt.

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Gibt immer alles, was im Tank ist: Biffy-Clyro-Drummer Ben Johnston

Ich habe schon viele Biffy-Shows gesehen, aber ihr wirktet nie ausgelaugt oder nicht bei 100 Prozent.
Ben: Wir geben immer alles, was wir haben. Selbst wenn wir schlapp sind, hauen wir alles raus, was im Tank ist. Wir würden nie einen lustlosen Gig hinlegen – aber wir brauchten wirklich mal eine kleine Auszeit. Einfach zu Hause sein und ein paar Tage lang am gleichen Ort aufwachen. Den Koffer auspacken, Dinge in Schubladen tun…
James: … verheiratet bleiben… (lachen)

Irgendwann vermisst ihr aber vermutlich wieder das Spotlight?
Ben: Zunächst merkst du gar nicht, dass du es vermisst. Du fühlst dich einfach nur leer und verstehst nicht, warum. Das ist ziemlich frustrierend, weil du dir denkst „Alles was ich wollte, war zu Hause zu sein – warum bin ich jetzt unglücklich?“ Du vergisst, dass ein großer Teil deines Lebens darin besteht, auf der Bühne zu stehen und von Tausenden von Menschen bejubelt zu werden. Du glaubst, dass du da drüber stehst und es dir nicht so wichtig ist, aber dem ist nicht so. Irgendwann verliert man dann sein Selbstwertgefühl und wird ein bisschen düster.
James: Es ist schwierig zu erklären. Ich würde keinen von uns als jemanden beschreiben, der unbedingt im Rampenlicht stehen muss – wir haben uns als Band eher widerstrebend daran gewöhnt. Du hast aber Recht, dass wir die Begeisterung vermissen. Ich habe noch keine Drogen gefunden, die dir das gleiche Gefühl und den gleichen Adrenalin-Rausch geben können, den du auf der Bühne bekommst.

Immerhin vermisst ihr die Bühne, wenn ihr zu Hause seid…
James: Wenn du ein Jahr Pause machst und das Touren nicht vermisst, dann hast du ein echtes Problem.

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Steht (nolens volens) gerne im Spotlight: Biffy-Bassist James Johnston

Während eurer Auszeit hattet ihr auch ein paar private Probleme zu regeln. Hatten die Arbeiten an „Ellipsis“ auch einen therapeutischen Ansatz?
James: Hatten sie. Während du daran arbeitest, ist dir das vielleicht gar nicht so bewusst. Manchmal wird es dir erst in den Monaten danach klar, wenn du mit Außenstehenden drüber redest und das Album und seine Lyrics sezierst. Selbst Simon hat manchmal erst hinterher verstanden, worüber er überhaupt singt. Man sagt ja „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, insofern ist es oft eine gute Sache, Dinge mit anderen zu teilen. Das hat etwas Kathartisches.

Für euch als Musiker ist dann vermutlich das kathartische Element, auf die Bühne zu gehen und die Sau rauszulassen?
James: Yeah, Ben stellt sich immer mein Gesicht vor, wenn er auf seine Steel Drum drischt.
Ben: Ich darf auf der Bühne ja ziemlich brutal sein. Das tut definitiv einem gewissen Teil meiner Natur gut.
James: Es gibt nichts Besseres als auf die Bühne zu gehen, aus voller Kehle „Yeaaaahhhhh!“ zu brüllen und seine Zähne zu fletschen – du hast das Gefühl, als würde Gold durch deine Venen fließen. Fast ist es so, als würde man über dem Boden schweben und für anderthalb Stunden ein anderer Mensch werden.

Ziemlich beneidenswert – wo kann man als normaler Mensch schon mal laut rumbrüllen.
Ben: Stimmt, das ist schwierig. Zumindest wenn du nicht willst, dass die Leute denken, du hättest einen an der Murmel.

Und ihr werdet sogar dafür bezahlt.
Ben: Ganz genau: Wir werden dafür bezahlt, Dinge kaputt zu machen und zu brüllen! (Lachen)

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Brüllt gut, singt aber noch viel besser: Sänger und Gitarrist Simon Neil

Vermisst ihr manchmal die alten Zeiten, in denen ihr in der Garage gespielt habt und im kleinen Van getourt seid?
Ben: Ähm… nein (lacht).

Aber das ist doch so romantisch!
Ben: Ähm… nein (lacht). Hast du es schon einmal gemacht?

Ähm… nein.
Ben: Siehst du!? Vielleicht ist es romantisch, wenn du jung bist und gerade anfängst. Es macht Spaß, weil du mit deinen Freunden unterwegs bist, kaum Schlaf brauchst und einfach nur ständig besoffen bist. Klar, das macht Spaß, aber wünschen wir uns, das wieder zu haben? Auf gar keinen Fall! Das Einzige, was man vielleicht manchmal vermisst, ist in kleineren Clubs zu spielen, aber auch das machen wir ja immer noch. Wir lieben aber auch die großen Shows. Und unseren Nightliner. Wir sind zwar immer noch die gleichen Typen von damals, aber zurück wollen wir eigentlich nicht mehr gehen. Wenn wir es müssten, würden wir es natürlich tun und uns in einen kleinen Van quetschen. Wir lieben das hier viel zu sehr, als dass wir irgendetwas zwischen uns und die Musik kommen lassen würden.

Das ist jetzt aber wirklich romantisch! Danke für das Gespräch, wir sehen uns im Februar 2017 – Mon the Biff!

Bild: Austin Haregrave (oben), Ben Foitzik (Rest)


BIFFY CLYRO – Ellipsis Tour 2017
03.02.2017 – Stuttgart, Porsche-Arena
09.02.2017 – Bochum, RuhrCongress
11.02.2017 – Hannover, Swiss Life Hall

BIFFY CLYRO >>> TICKETS

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Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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