Japans Rocklegende TOMOYASU HOTEI im Interview – und im April 2017 auf Tour!

hotei tickets 2017

Heute mal ein absolutes Schmankerl: Wir durften ein Interview mit dem japanischen Musiker Tomoyasu Hotei führen! Kennt ihr nicht? Skandal! Okay, wir bis vor kurzem ehrlich gesagt auch nicht – und das obwohl er seinerzeit einen genialen Song zu Tarantinos erstem „Kill Bill“ beisteuerte und schon mit Legenden wie David Bowie oder den Rolling Stones auf der Bühne stand. Doch dann haben wir Hoteis aktuelles Album „Strangers“ gehört, das seither in Dauerschleife in unserem Player rotiert…

„Battle Without Honor Or Humanity“ ist der Name des Songs, mit dem Tomoyasu Hotei Anfang des Jahrtausends einen gewissen Quentin Tarantino dermaßen begeisterte, dass dieser den Track unbedingt in „Kill Bill – Volume 1“ haben musste. Trotz des Erfolgs jenes Films und der grassierenden Tarantinomania schaffte es Hotei aber erst 2015 aufs internationale Parkett – nach einer über 30-jährigen Karriere in Japan, wo er seit den frühen 80ern aktiv gewesen ist (anfänglich als Gitarrist der erfolgreichen Rockband Boøwy und später als Solokünstler) und schon über 40 Millionen Alben verkauft hat.

Hotei – „How the Cookie Crumbles“ (feat. Iggy Pop)

Auf „Strangers“ hat der virtuose Gitarrist eine Handvoll erstklassiger Gaststars versammelt: Allen voran Iggy Pop, der den Tracks „How The Cookie Crumbles“ (was für ein Songtitel!) und „Walking Through The Night“ seine außergewöhnliche Stimme leiht. Auch Rammstein-Gitarrist Richard Z. Kruspe ist als Special Guest mit an Bord, ebenso die US-Sängerin Shea Seger und Bullet-For-My-Valentine-Sänger Matt Tuck, der beim vielleicht besten Albumtrack „Kill To Love You“ am Mikro zu hören ist. Zieht euch allein diesen Song rein, plus die beiden Iggy-Nummern und auch ihr werdet Hotei mit Haut und Haaren verfallen! Wenn ihr Stromgitarrenmusik mögt, versteht sich.

Im April spielt der japanische Rockstar übrigens vier Shows in Deutschland – das darf kein Freund von Rockmusik verpassen! Tickets für Hotei bekommt ihr bei EVENTIM.

Doch nun lassen wir den Maestro selbst zu Wort kommen…


hotei interview sidebar

TOMOYASU HOTEI

„Als ich meinen Track mit Iggy Pops Vocals zurück bekam, schrie ich vor Freude laut in den Himmel!“



Im April kommst du endlich wieder nach Deutschland – warum hat es so lange gedauert, bis du erstmals auf Europatour gehst?

Glaubt mir, ich habe mich danach gesehnt, so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zu kommen – vor allem nach der Erfahrung in Berlin im Februar 2016. Das war richtig wild! Generell war mein Jahr 2016 aber unglaublich stressig: Touren in Japan bei über 40 Shows anlässlich meines 35-jährigen Jubiläums, dazu Gastauftritte bei Italiens Superstar Zucchero in der Arena di Verona und der Royal Albert Hall, plus Shows in Los Angeles und New York! Während ich auf Tour war, habe ich auch an einem modernen Beethoven-Ansatz mit Rock-Arrangements für ein japanisches Anime-Programm namens „Classicaloyd“ gearbeitet. Ich hatte nicht mal Zeit, Urlaub mit meiner Familie zu machen. Jetzt aber bin ich bereit zu rocken und freue mich darauf euch alle zu sehen – Bier und Würstchen werde ich natürlich auch nicht verschmähen 😉

Die Venues in Deutschland sind vermutlich ein wenig kleiner als die, in denen du normalerweise in Japan spielst. Wird das seltsam für dich sein oder eher cool, weil du mal wieder in gemütlicher Clubatmosphäre spielen kannst? Stichwort „back to the roots“.

Es ist tatsächlich ein back to the roots! Jeder Künstler hat ja mal in kleinen Venues angefangen und muss sich dann über die Jahre Schritt für Schritt ein größeres Publikum erspielen. Am Anfang meiner Karriere standen auch nur 20 Leute vor der Bühne. Für mich wurde aber gerade das zum musikalischen und mentalen Grundstein, weil ich bei so einer kleinen Menge die Reaktion jedes Einzelnen auf meine Performance beobachten konnte. Ein perfekter Weg, um die eigene Live-Performance zu trainieren! Ich liebe die Interaktion mit dem Publikum. Natürlich würde ich gerne auch in Deutschland in größeren Venues spielen, zugleich freue ich mich aber auch über die Möglichkeit, wieder zurück zu den Ursprüngen zu gehen und damit quasi meinen Antrieb fürs Gitarrenspiel neu zu beleben.

Hotei – „Move It“ (feat. Richard Z. Kruspe)

Dein 2015er Album „Strangers“ war dein erstes internationales Release nach drei Dekaden, in denen du ausschließlich in Japan bzw. Asien veröffentlicht hast. War es ein großer Schritt für dich, international zu veröffentlichen?

Auf internationaler Ebene Alben zu veröffentlichen, war ein lang gehegter Wunsch von mir. Man kann sich also vorstellen, wie aufgeregt ich war, als „Strangers“ 2015 veröffentlicht wurde. Damit ist es aber letztlich nicht getan. Ein Album zu machen, ist eine Sache – es im internationalen Markt zu platzieren, eine andere. Zwar gibt es heutzutage viele nützliche Online-Tools, um ein Album zu promoten und seine Message zu verbreiten – es gibt aber auch viel zu viel Information da draußen, in der ein neues Album von mir nur ein ganz kleiner Part ist. Anders als „Visuel Kei“-Künstler muss ich eine eigene Fanbase für die Marke „HOTEI“ aufbauen, und der effektivste Weg, das zu tun, ist indem ich live spiele. Ich glaube, dass ich mir jeden einzelnen Fan live erspielen muss, um im internationalen Markt bestehen zu können. Die 30 Jahre meiner Karriere und Erfahrung in Japan waren für mich aber bestimmt keine Zeitverschwendung. Ich habe inzwischen zwar die Power verloren, 48 Stunden lang durchzutrinken – dafür habe ich jetzt aber auch die Inspiration, früh morgens aufzustehen!

Du hattest einen großen Erfolg mit „Battle Without Honor or Humanity“ im ersten „Kill Bill“-Film. Bist du generell ein Fan von Tarantinos Filmen oder kam es zu dieser Kollaboration eher wegen der Eastern- bzw. Samurai-Thematik dieser beiden Filme?

Ein großes JA zum ersten Teil deiner Frage! Ich muss gestehen, dass ich sehr viele Einflüsse aus seinen Filmen ziehe, zum Beispiel aus „Reservoir Dogs“ oder „Pulp Fiction“. Als ich also sein Angebot bekommen habe, war meine erste Reaktion absolute Sprachlosigkeit. Ich fragte mich immer wieder ‚Ist das wirklich ernst gemeint???‘

Das Stück „The Battle Without Honor Or Humanity“ hatte ich ursprünglich für das japanische Yakuza-Movie „’Shin Jingi Naki Tatakai“ – was übersetzt „The Battle Without Honor Or Humanity“ heißt – geschrieben. Ich hörte, dass Tarantino diesen Film gesehen und sich in den Song verliebt hatte – was dann zu der Anfrage führte, ob er ihn für „Kill Bill“ benutzen könne. Ich habe ihm angeboten, noch mal einen ganz neuen Track zu schreiben, aber er bestand darauf, genau dieses Stück zu benutzen. Dank ihm wird der Song heute regelmäßig auf der ganzen Welt zu den unterschiedlichsten Anlässen verwendet. Zuletzt zum Beispiel bei einem Superbowl-Game und beim Abschluss der Oscars 2017! Ich kann dir garantieren, dass jeder auf diesem Planeten diesen Track schon mal in irgendeinem Kontext gehört hat, was leider niemals mit meinem Namen in Verbindung gebracht wird. Ich werde ihn definitiv im Set meiner Europatour haben, also kommt vorbei um die authentischste Version von „The Battle“ live zu hören!

hotei tickets 2017

Ohne Gitarre geht Hotei nicht aus dem Haus! (Bild: Universal Music)

In Japan hast du Millionen von Alben verkauft. Wie wichtig und relevant ist Rockmusik heutzutage in deiner Heimat? Sind die Japaner ein „Rock-Volk“ oder ist diese Musik bei euch immer noch (oder wieder) eine Subkultur?

Der japanische Musikmarkt ist ziemlich gesättigt und wird größtenteils für kommerzielle Zwecke und weniger für Botschaften genutzt – was für mich eigentlich die ursprünglichste Funktion von Musik ist. Meistens ist die Musik hier kitschig und schwer voneinander zu unterscheiden. Die Indie-Szene ist zwar noch authentisch, doch es gibt keine Strukturen, die dafür sorgen, dass Künstler von dort zu den Major-Labels aufsteigen.

Wie kam deine jüngste Zusammenarbeit mit Iggy Pop zustande und inwieweit passt Iggys Stimme perfekt zu deiner Musik?

Ich habe zwei ziemlich gute Tracks in London geschrieben. Als ich an ihnen arbeitete, hatte ich aber das Gefühl, dass irgendetwas fehlte – eine Stimme mit starker Persönlichkeit. Wer außer Iggy Pop wäre also prädestiniert dafür, bei diesen Songs zu singen? Ich schickte die Tracks über meinen Freund Don Was an Iggy und bekam sofort die Antwort, dass er meinen modernen Gitarrensound absolut klasse fand. Als ich den Track dann mit seinen Vocals zurück bekam, schrie ich vor Freude laut in den Himmel! So eine Gänsehaut hatte ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gehabt. Sein Beitrag hat mein Album „Strangers“ ohne Zweifel noch mal auf ein völlig anderes Level gehoben.

Wie würdest du jemandem deinen Stil beschreiben, der deine Musik bislang noch nicht kennt?

Ich versuche immer, einen Sound zu kreieren, der in deinem Kopf wächst. Gitarristen tendieren oft dazu, sich auf Technik zu konzentrieren und dabei die Musik an sich zu vernachlässigen. Ich bilde mir ein, dass meine Gitarre etwas ist, zu dem man tanzen, singen und abfeiern kann! Etwas, das du mit deiner Seele und nicht nur mit deinem Kopf genießen kannst. Wer mich live sieht, wird vielleicht verstehen, warum ich schon die Ehre hatte, mit David Bowie, den Rolling Stones, Iggy Pop und Zucchero aufzutreten!

Hotei – „Walking Through The Night“ (feat. Iggy Pop)

Was können wir denn generell von einer Live-Show von Tomoyasu Hotei erwarten? Wird das nur Instrumental sein oder hast du auch einen oder gar mehrere Sänger dabei?

Sänger werden keine dabei sein, aber ich selbst werde bei einigen Tracks den Gesang übernehmen. Ich überlege, ob ich vielleicht auch ein paar alte Klassiker aus Japan mitbringe und dabei auf Japanisch singe. Zuerst dachte ich, dass ich die für den internationalen Markt auf Englisch singe, aber bei meinen letzten Shows in Europa habe ich gemerkt, dass Sprache auch nur eine Form von Musik bzw. Sound ist und es keine Rolle spielt, ob es nun auf Englisch oder Japanisch ist. Ich hoffe, dass die japanische Community bei den Shows vorbeischaut – ich will auch ein paar Hits von Boøwy spielen. Mein Set wird von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft reichen – ich will einfach nur mein Publikum unterhalten! Hmmm, sollen wir Richard Kruspe von Rammstein einladen? Das ist eine großartige Idee! Mal schaun, ob er in der Gegend ist! Letztes Jahr war er bei meiner Show in Berlin. Seht zu, dass ihr eure Tanzschuhe anzieht! Aufregende Nächte garantiert!

Danke für das umfangreiche Interview, Hotei!

Ich danke euch, dass ihr mir die Gelegenheit zu diesem Interview gegeben habt! Ich freue mich darauf, euch alle im April bei meinen Shows zu sehen!

Bilder: Universal Music


HOTEI – 2017 live auf Tour
11.04.17 – Frankfurt, Zoom
12.04.17 – Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
17.04.17 – Hamburg, Indra
18.04.17 – Berlin, Musik & Frieden

HOTEI >>> TICKETS

Ihr wollt Japans Rock-Superstar live erleben? Dann nichts wie ran: Tickets für Hotei gibt es auf eventim.de!


Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

Schreibe einen Kommentar