NICOLAS JAAR – Ende August noch zweimal live in Deutschland

nicolas jaar tour tickets 2017

Das Licht geht aus. Die Crowd‘ hält den Atem an – etwas Magisches liegt in der Luft. Plötzlich flackern gleißende Stroboskop-Blitze durch den dunklen Saal. Auf der Bühne manifestiert sich ein ominöser Schatten hinter einem gigantischen DJ-Pult. Pumpende Minimal Beats erfassen das Publikum und verwandeln es in eine zuckende Masse. Electro-Ekstase galore. Nicolas Jaar is in da House.

Im Juni 2017 konnten electrophile Hamburger ein seltenes Schauspiel erleben: Der chilenisch-stämmige Produzent und Songwriter Nicolas Jaar gab sich in der Großen Freiheit die Ehre. Ursprünglich sollte er auf der Open-Air-Bühne im Stadtpark spielen, doch der Gig wurde stattdessen in den Club auf der Reeperbahn verlegt. Und irgendwie war das auch gut so: Mit seinem pumpenden Electro-Sound ist Jaar schließlich prädestiniert für düstere Clubs, die sich mit zunehmender Dauer seines Sets immer wieder in humide Tollhäuser verwandeln.

NICOLAS JAAR – Mi Mujer (original mix):

Schon als Teenager begann der 1990 in New York geborene Nicolas, mit elektronischen Sounds herumzuexperimentieren: Techno, Jazz, Hip- und Trip-Hop zählten zu den Einflüssen, die er in seinen eklektischen House-Kompositionen verarbeitete. Das Talent für seine immense Kreativität bekam er vermutlich von seinem Vater Alfredo Jaar in die Wiege gelegt – der chilenische Artist ist sowohl als Filmemacher als auch als Architekt und Installationskünstler bekannt.

Nach seiner ersten EP „The Student“ aus 2008 veröffentlichte Nicolas Jaar im Jahr darauf sein Debütalbum „Space Is Only Noise“, das aus den unterschiedlichsten Ecken euphorische Kritiken erntete. Mit seinen teils düsteren, aber extrem tanzbaren Electronic- und Experimental-Tracks traf der junge Musiker sowohl in der Szene als auch bei den Musikkritikern einen Nerv. Die melancholische Ader seiner Musik schreibt Jaar übrigens seiner Kindheit zu: Im Alter von drei Jahren musste er mit seiner Mutter aus New York zurück nach Chile ziehen – erst sechs Jahre später wurde die Familie in den Staaten wiedervereint. So etwas prägt.

Auch genial: Jaars Darkside-Projekt

2011 gründete Jaar zusammen mit dem Multiintrumentalisten Dave Harrington auch das Duo Darkside, dessen zwei Jahre später veröffentlichtes Debüt „Psychic“ ebenfalls gefeiert wurde. Seither liegt das Projekt allerdings auf Eis und Jaar widmet sich wieder seinen Solo-Kreationen. Bevor 2016 sein zweites Studioalbum „Sirens“ erschien, lieferte er unter anderem auch den Soundtrack für den mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichneten Film „Dheepan“ („Dämonen und Wunder“) ab und vertonte den russischen Kultfilm „The Color of Pomegranates“ von 1969 neu – im Ambient-Style.

Auch „Sirens“ war ein voller Erfolg – genreübergreifend. Jaar reiht hier ausufernde Electro-Klangkaskaden aneinander: Mal laut, mal leise, mal rasend schnell, mal nahezu quälend langsam mäandern seine Kompositionen dahin, hier ein paar jazzige Elemente, dort ein verträumter Piano-Part, ein Dialog-Sample oder ein sphärischer Klangteppich. Und natürlich immer wieder Jaars dunkle, rauchige Stimme, die er in dezentem Maße, aber dafür umso effektiver einsetzt: Seine Lyrics zu „Killing Time“, „The Governor“ oder „History Lesson“ sind spannungsgeladene gesellschaftskritische Manifeste und regen zum Nachdenken an.

Beispiel „History Lesson“:


Darling, you’re late for your history lesson.

Don’t you worry, I’ll give you my notes.

Chapter one: We fucked up
Chapter two: We did it again, and again, and again, and again
Chapter three: We didn’t say sorry
Chapter four: We didn’t acknowledge
Chapter five: We lied
Chapter six: We’re done

Oh… but… baby… don’t you decide it?

Die Weltgeschichte mal eben kurz und prägnant auf den Punkt gebracht.

Wer den fantastischen Nicolas Jaar einmal am eigenen Leibe erleben möchte, hat im August 2017 noch genau zwei Gelegenheiten dazu: Am 22.8. spielt er im Täubchenthal in Leipzig, am 24.8. im Frankfurter Batchkapp. Wer sie nicht ergreift, wird es bereuen!

Bild: Callie Barlow


NICOLAS JAAR – Live 2017
 22.08.2017, Leipzig – Täubchenthal 
 24.08.2017, Frankfurt – Batschkapp 

NICOLAS JAAR >>> TICKETS

Lasst euch diese Gelegenheit nicht entgehen: Nicolas Jaar live! Tickets gibt’s bei EVENTIM.


Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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