Kurios: MILEY CYRUS ist auf „Younger Now“ erwachsen geworden

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24 Jahre ist Miley Cyrus mittlerweile alt. Die wilden rebellischen Teenager-Jahre, die bei ihr gefühlt ein wenig länger als bei anderen andauerten, weil sie erst einmal ihre Hannah-Montana-Vergangenheit exorzieren musste, scheinen endgültig vorbei. Bestes Beispiel dafür: Ihr neues Album, das diesen Freitag erscheint und sowohl musikalisch als auch textlich eine gereifte Künstlerin zeigt. Wir haben für euch schon mal in „Younger Now“ reingehört – und staunen über die neue Miley Cyrus.

Ein Staunen, das im Prinzip schon beim Betrachten der neuen Pressebilder beginnt. Sind die aus einem neuen „Hannah Montana“-Film? So brav hat Miley schließlich seit ihrer Zeit als Titelfigur der Disney-Fernsehserie nicht mehr ausgesehen. Jene Miley, die sich in den vergangenen Jahren so gut wie nie ohne ihre Zunge ablichten ließ, nackt auf einer Abrissbirne ritt und Madonna abschlabberte, posiert nun mit geflochtenen Zöpfen in einer grünen Wiese, mit einem Hund im Arm oder mit einer bunten Stange Luftballons am Strand. Heile-Welt-Bilder, die auch im Video der ersten Singleauskopplung ihres neuen Albums, „Malibu“, aneinandergereiht sind.

Hiley Welt:

Erneut eine bewusste Inszenierung der US-Pop-Rebellin? Provokation durch Biedermeierei? Tatsächlich hat die neue, alte Miley offensichtlich endlich Frieden mit sich selbst gefunden. Mit den extremen, gegensätzlichen Personas ihrer Jugend, in der sie sich vom braven Disney-Mädchen zur polarisierenden Lolita wandelte und von Skandälchen zu Skandälchen hangelte. Jeder verarbeitet die Geschehnisse seiner Kindheit auf unterschiedliche Art und Weise – und kaum einer von uns „Normalsterblichen“ kann sich wohl vorstellen, was es mit einem jungen Menschen macht, wenn er in einem Alter, in dem andere Kinder vornehmlich mit sich selbst beschäftigt sind, schon ein Weltstar ist. Nennen wir es den Macaulay-Culkin- oder Britney-Spears-Effekt.

„Ich bin ein Mensch, der mit all seinen früheren Ichs im Einklang steht. Dieses Album ist so viel ‚Ich‘ wie aktuell nur überhaupt möglich‘“, sagt Miley Cyrus über ihr neues Werk. Schon im ersten Song ihres sechsten Studioalbums, dem Titeltrack YOUNGER NOW, wird ihr neu gewonnenes Selbstverständnis deutlich: „Even though it’s not who I am, I’m not afraid of who I used to be“ – obwohl ich das nicht (mehr) bin, habe ich keine Angst vor dem, was ich mal war. Miley hat erkannt, dass sie ihre konträre Vergangenheit akzeptieren muss, da sie nur durch sie zu dem Menschen werden konnte, der sie heute ist. Das mag nach Ersteweltproblem einer Multimillionärin klingen – aber Miley Cyrus hat sicher auch einen emotionalen Preis für ihre frühe Popularität gezahlt.

Miley Cyrus – „Younger Now“

Hört man diese neue Reife eigentlich auch auf dem Album oder dürfen wir elf schnörkellose Popsongs der Marke „Younger Now“ und MALIBU erwarten? Definitiv nicht, denn schon beim dritten Track des Albums, RAINBOWLAND, biegt Miley vom Kurs ab und liefert eine Art countryfizierten Hippie-Song über ihr persönliches Regenbogenland ab. Weird, aber auch irgendwie nice.

Auch der Rest der Platte weiß zu überraschen und gefallen: WEEK WITHOUT YOU entpuppt sich als groovige R’n’B-Nummer mit wunderschönem Mitschunkel-Refrain, in dem Miley mit kratzig-dunklem Timbre überzeugt; MISS YOU SO MUCH ist ein mit luftigem Gitarrengezupfe beginnendes Liebesgeständnis an Mileys Sweetheart (gehen wir mal davon aus, dass es sich um Liam Hemsworth handelt), in dem sie schließlich mit schmetternder Stimme singt, dass kein Gold der Welt wertvoller ist als er. Was sich natürlich leicht sagt, wenn man reich ist. In der darauffolgenden, cool flowenden Halbballade I WOULD DIE FOR YOU singt sie gar „Du bist alles für mich, und ich, ich würde für dich sterben…“

Falls man bis jetzt den Bass auf der Platte gesucht hat, gibt’s in THINKIN‘ eine satte Portion. Erinnert teilweise an den Groove von The Gossip bzw. Beth Ditto. Gute Stimmung kommt auch beim anschließenden BAD MOOD auf: eine von hypnotischem Percussion-Beat getragene Nummer mit lässiger Bassline.

Miley Cyrus – „Malibu“

„Lass mal so richtig krassen Hall auf die Gitarre legen!”, hat sich Miley, die übrigens die volle kreative Kontrolle bei diesem Album übernommen hat, offenbar bei LOVE SOMEONE gesagt. Gesagt, getan! Kommt aber geil, diese lässige Nummer, die von einem Monsterbeat getragen wird und einen saucoolen 60s-Vibe ausstrahlt. Vielleicht der beste Song der Platte! Der schlechteste folgt ines gleich auf dem Fuße: Das pathostriefende Popgesäusel SHE’S NOT HIM hätte sie sich auch sparen können. Musste ich ausmachen, als die Bläser einsetzten.

Letzter Song: INSPIRED. Joan, bist du es?! Neee, das ist tatsächlich immer noch Miley! Verrückt. Ein zuckerwattensüßer Love Song. Gut, die Geige hätte es hier vielleicht nicht unbedingt gebraucht, aber Schwamm drüber. Summa summarum: „Younger Now“ ist ein stimmiger Mix aus Hits (Titelsong, „Malibu“, „Love Someone“) und gelungenen Überraschungen „Week Without You“, „Thinkin‘“, „Bad Mood”) und hat eigentlich keine Ausfälle zu verzeichnen (wenn überhaupt dann „She’s Not Him“).

Tolles Album, Miley Cyrus! Wann gehst du damit auf Tour?

Bilder: Sony Music


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Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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