Singer-Songwriter-Genie DAVE HAUSE im TourTalk-Interview

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Ende September ist es endlich so weit: Dann ist Dave Hause mit seiner Band The Mermaid wieder live in Deutschland zu erleben. Dave Werdochgleich? DAVE HAUSE, ein punkrockiger Singer-Songwriter aus Philadelphia, der mit seinen mitreißenden Songs irgendwo zwischen Bruce Springsteen und The Gaslight Anthem unterwegs und live eine absolute Rakete ist. Nicht nur, aber auch weil wir diesen Typen so genial finden, haben wir ihm im EVENTIM TourTalk ein paar Fragen zum Leben auf Tour gestellt. So leset, höret sein neues Album „Bury Me In Philly“ und kommet zu Hauf zu seinen Shows (für die es hier Tickets gibt)!

Dave Hause ist erst 39 Jahre alt, hat aber schon in mehr Bands gespielt als seine Gitarre Saiten hat. Step Ahead, The Curse, Paint It Black, The Falcon und The Loved Ones stehen in seiner Vita – allesamt Hardcore- und Punk(rock)-Combos, in denen er die Klampfe schwang und am Micro brüllte. 2011 veröffentlichte er mit „Resolutions“ dann sein erstes Singer-Songwriter-Soloalbum, auf dem er die melodische Facette seiner Stimme präsentierte und damit an Kollegen wie „The Boss“, Chuck Ragan oder Brian Fallon erinnerte. 2013 folgte das nicht minder famose Zweitwerk „Devour“ und im Februar dieses Jahres das aktuelle Werk „Bury Me In Philly“. Daraus mal eine Kostprobe:

Dave Hause: „The Flinch“


Kurzer persönlicher Exkurs und Erfahrungsbericht zu Dave Hause:

Es war im November 2013, als mich ein Kumpel fragte, ob ich mit zur Show von Dave Hause im Hamburger Knust kommen wolle. Ganz ehrlich: Den Namen hatte ich noch nie zuvor gehört. Aber hey, wer nichts ausprobiert, wird auch keine neuen Lieblingsbands entdecken, oder? Ich ging mit – und erlebte nicht weniger als die geilste Show des Jahres: Der Saal kochte, der Musiker beackerte die Bühne mit allem, was er hatte, und die großartigen Melodien seiner Songs hallten noch lange nach. Nach Hause (hihi) kam ich mit seinen beiden vor Ort signierten Vinyl-LPs unterm Arm und einem neuen Lieblingsmucker im Herzen.

Exkurs Ende und genug der Hailung. Jetzt kommt der Gehailte höchstselbst zu Wort und erzählt ein paar Storys aus seinem prall gefüllten Tour-Nähkästchen!


DAVE HAUSE:

„Wir fuhren etwa 140 km/h, als plötzlich eins der hinteren Wagenräder wegflog.“

 


Dave, was war dein peinlichster Bühnenmoment ever?
Mit meiner alten Hardcore-Band The Curse habe ich mal eine Show als Support für die Bouncing Souls in Florida gespielt. Während eines Breakdown-Parts auf der Bühne gemosht und nicht gemerkt, dass mein Mikrokabel sehr kurz war. Ich bin gestolpert und vor 600 Leuten voll auf die Fresse in den Gitarrenständer gefallen. Seither checke ich immer ganz genau, wie viel Kabel ich noch übrig habe.

Erzähl von deinem ekligsten Essenserlebnis auf Tour.
Das war ebenfalls mit The Curse. Wir spielten in Columbias, Ohio, wo der „Promoter“ der Show die Idee hatte, unser Essen für den Abend von einer Müllkippe zu holen. Ich bin echt nicht besonders anspruchsvoll und glaube, dass die Menschen generell zu viel Nahrung wegwerfen. Aber dieses Essen war definitiv vergammelt.

Deine schrägste Tour-Story?
Es sind so viele schräge Sachen passiert, da fällt es echt schwer eine rauszupicken. Vielleicht diese hier: Dave Walsh von The Loved Ones und ich übernachteten einmal bei zwei Fans der Band. Irgendwann luden sie uns alles andere als subtil zu einer merkwürdigen Sexparty mitten im Schneesturm ein.

Okay, ich glaube, ich will gar nicht wissen, ob ihr die Einladung angenommen habt. Wechseln wir das Thema: Wo hattest du deinen schlimmsten Tourkater?
Aus irgendeinem Grund hält der Süden Amerikas immer die härtesten Hangovers bereit. Ich erinnere mich an eine Show mit The Loved Ones im Cat’s Cradle in North Carolina, bei der meine Stimme total im Arsch war. Ich hatte das Gefühl, dass ich sterben würde, bevor die Show überhaupt losging. Ich bin froh, dass diese Tage im Rückspiegel liegen.


Akustik-Magie von Dave Hause: „Wild Love“


Was war die sonderbarste Bezahlung für einen Gig?
Geld!

Denkwürdigster Tour-Kotz-Moment?
Glücklicherweise musste ich mich noch nie auf der Bühne übergeben. Die meisten dieser Momente kamen beim zu harten Feiern. Ich erinnere mich noch an eine Show im australischen Brisbane und dass ich unmittelbar vor der Show das schärfste indonesische Essen zu mir genommen habe, das ich je gegessen hatte. Die Show war unglaublich, die Leute haben mitgesungen und verlangten mir mehr ab als erwartet. 80 Prozent meiner Leistung musste ich aber darauf verwenden, nicht die Meeresfrüchte auszukotzen, die ich gerade verschlungen hatte.

Hast du ein besonderes Ritual vor der Show?
Nein. Ich hatte mal welche, habe die wieder verloren und dann wieder mit neuen angefangen. Man erfindet solche Dinge eher spontan und lässt sie wieder fallen, wenn sie nicht mehr nützlich sind. Bei The Mermaid umarmen sich alle solidarisch vor der Show, was uns bisher immer sehr gut getan hat.

Welche Autopanne ist dir in Erinnerung geblieben?
The Loved Ones waren zusammen mit The Hold Steady auf Tour und auf dem Weg von Minneapolis nach Fargo. Wir tourten immer mit einem umgebauten Box Truck mit eingebauten Bänken, einer Art Behelfs-Tourbus. Wir fuhren etwa 140 km/h, als plötzlich eins der hinteren Räder wegflog. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt – das war eine der schlimmsten Erfahrungen, die ich je hatte.

Smarthphones bei Konzerten – gut oder doof?
Beides. Wenn Leute solche Live-Clips teilen, hilft das dabei, seine Performance zu verbessern. Mir hat es zum Beispiel gezeigt, dass ich besser Gitarre spielen muss. Es kann dich natürlich auch komplett aus dem Moment reißen. Ein zweischneidiges Schwert.

Was war das schrägste Venue, in dem du gespielt hast?
Erst letztes Jahr haben wir in Santa Fe, New Mexico in einem Venue namens „Meow Wolf“ gespielt. Das ist eine interaktive Arti-Installation, die sich so anfühlt, als wäre man gerade auf einem LSD-Trip. So eine Art „Alice im Wunderland“-Vibe. Das war wirklich unglaublich – ich hoffe, wir können dort irgendwann noch einmal spielen.

Was waren die schlimmsten und schönsten Dinge, mit denen du auf der Bühne beworfen wurdest?
Schlimmste: Drinks. Schönste: Blumen.


Und noch ne coole ältere Nummer: „C’mon Kid“


Was vermisst du mehr: Das Touren, wenn du daheim bist, oder dein Zuhause, wenn du auf Tour bist?
Mein Zuhause, wenn ich auf Tour bin. Ich lebe an einem wunderschönen Ort mit meiner wunderschönen Frau und ich vermisse sie heftig, wenn ich unterwegs bin.

Bewegendster Fan-Moment auf Tour?
Die meisten dieser Momente sind die, wenn jemand seine Geschichten von Verlust mit dir teil und dir sagt, wie sehr ihm deine Songs und Alben durch die dunklen Momente in seinem Leben geholfen haben. Das verblüfft mich immer und gibt mir eine Art Bestätigung für unseren kleinen Platz in dieser Welt. Wir versuchen, ein Gefühl der Verbundenheit und Trost in eine komplizierte und manchmal sehr traurige Welt zu tragen.

Was war dein größter Rockstar-Moment?
Ich habe Joe Strummer getroffen. Ich habe Bruce Springsteen getroffen. Ich habe Eddie Vedder getroffen. Ich habe Snoop Doog getroffen. Ich habe Mike Campbell und Ron Blair von The Heartbreakers getroffen. Mein größter Rockstar-Moment von allen war aber, als ich Patty Griffin traf. Ihre Songs und Stimme haben auf mich eine dermaßen starke emotionale Wirkung gehabt, dass ich einfach nur still wurde und sie bewunderte, als ich sie traf.

Was war denn die größte Menge, vor der du gespielt hast?
Ich habe schon Soloshows als Opener für andere Bands vor über 5.000 Menschen gespielt – nur ich und eine Gitarre. Das hat sich wie Skydiving angefühlt. Mit The Mermaid haben wir in diesem Sommer ein paar große Festivals in Europa gespielt, das hat uns echt noch mal besser gemacht. The Loved Ones haben mal auf einem Festival in Tokyo vor 18.000 Leuten gespielt, das war vermutlich die größte Menge, vor der ich je gestanden habe. Normalerweise fliegen diese Shows in einem Rausch von Adrenalin vorbei, so dass man sich danach nicht mehr wirklich dran erinnern kann.

Wie fühlt sich das an, auf so eine Bühne zu gehen und von Tausenden von Fans bejubelt zu werden?
Einzigartig und unbeschreiblich – und nein, man gewöhnt sich nicht daran. Mein Ansatz ist, mir dessen bewusst zu sein und die Energie und Aufregung dafür zu nutzen, eine noch bessere Show abzuliefern. Das ist eine Welle, die man leiten kann. Nicht völlig kontrollieren, aber in die Richtung steuern, in die man möchte.

Ein Gig, den du niemals vergessen wirst…
Wir haben kürzlich eine Headline-Show in Asbury Park, New Jersey gespielt, der glaube ich der Gig des Jahres sein wird. Es war ausverkauft, viele Freunde und Familie waren dort, und die Band hatte eine Leichtigkeit und Zuversicht, die uns genau die Show abliefern ließ, die wir uns vorgestellt hatten. Es war magisch.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass das besser war als die Show im November 2013 Hamburger Knust, aber okay. Danke für den TourTalk, Dave – wir sehen uns bald bei einer deiner Shows!

Bild: Ben Foitzik


DAVE HAUSE & THE MERMAID
 29.09.2017 Wiesbaden, Schlachthof 
 30.09.2017 Lindau, Club Vaudeville 
 01.10.2017 Leipzig, Werk 2 
 05.10.2017 Nürnberg, Hirsch 
 06.10.2017 Köln, Gebäude 9 

DAVE HAUSE & THE MERMAID >>> TICKETS

Bock ’n‘ Roll? Dann lasst euch diesen großartigen Mucker nicht entgehen: Tickets für die Tour von Dave Hause & The Mermaid gibt’s auf eventim.de.


Ben Foitzik

Nach dem Studium hat Ben als Musik- und Filmredakteur sowie als Konzertfotograf gearbeitet, bevor er 2014 zur EVENTIM-Redaktion stieß. Sein Herz schlägt für harte Klänge und Stromgitarren, außer Rand und Band gerät er bei Kvelertak, Biffy Clyro oder Ghost. Hat Stand heute 5.267 Live-Konzerte gesehen – das irrsinnigste: Rammstein. Wird noch seinen Enkeln erzählen, dass er mal Ozzy Osbourne interviewt hat. „Ist ja gut, Opa, aber MACH MAL DIE MUSIK LEISER!“

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