SPOTLIGHT40/17: BAUSA

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Was geht eigentlich in Bietigheim-Bissingen? Steht da etwa heimlich eine leise wummernde 808 irgendwo auf der Entbindungsstation? Werden im Kindergarten statt ???-Kassetten die neusten Hiphop-Mixtapes getauscht? Man weiß es nicht, aber irgendeinen Grund muss es dafür geben, dass mit Shindy, RIN und Bausa gleich drei Schwergewichte der jüngeren deutschen Hiphop-Historie aus dem süddeutschen Kaff kommen.

„Im Studio, wo sonst“ antwortet Baui, wenn seine Bae im Track „Wo bist Du?“ genervt auf WhatsApp nach seinem momentanen Aufenthaltsort fragt. Die investierte Zeit hat sich gelohnt, immerhin ist er mit seinem Debüt-Album „Dreifarbenhaus“ auf Platz 10 der Albumcharts in Deutschland eingestiegen – Respekt. Aber Hey: Ehre, wem Ehre gebührt. Meilensteine schreiben sich halt nicht von alleine.

Beachtlich auch, dass das Bietigheimer-Hiphop-Triumvirat mit doch recht verschiedenen Ansätzen Erfolge feiert. Während Shindy ein Bild von einem Lebensstil zwischen Fünf-Sterne-Hotelzimmer, Champagnerflaschen und hochpreisigen Kraftfahrzeugen entwirft, fährt RIN einen Film der zwischen Retro-Streetwear, Dadaismus und Hedonismus changiert. Bausa, als dritter im Bietigheim-Bunde erzählt schlicht und einfach von seinem Leben. Und hinter der schicken Fassade brodelt es – klingt der Albumtitel „Dreifarbenhaus“ noch angenehm harmlos, findet man schnell heraus, dass es sich dabei um das größte Bordell Stuttgarts handelt.

Diese Doppelgesichtigkeit ist charakteristisch für das Album: Es dreht sich immer wieder um die Schattenseiten und das Licht im Leben des jungen Rappers. Das Wandeln zwischen den Welten, zwischen Armut und Reichtum, zwischen Gut sein und Böses tun, zwischen richtig und falsch. Und man merkt durchaus, dass dieser Kampf, der da im Inneren des Künstlers tobt, noch nicht ausgefochten ist.

Dieser Kampf hat mit „Dreifarbenhaus“ jedoch einen zuweilen brillanten Soundtrack verpasst bekommen. Das Album zu hören nimmt einen mit – in eine Gedankenwelt, die man sicherlich nicht immer nachvollziehen kann oder will. Aber so ist das wohl, wenn man inneren Dämonen beim Kämpfen zuschaut.

Man darf gespannt sein auf das, was da noch so kommt, wenn Bausa wieder zu Stift und Produktionsequipment greift. Vorerst sollte man sich aber von den Live-Qualitäten des jungen Mannes überzeugen, die passenden Tickets gibt es auf eventim.de.

Bild: Ferhat Aslantas


BAUSA – „Dreifarben“-Tour 2017
 26.10.17 – Leipzig / Täubchental 
 27.10.17 – Berlin / Musik und Frieden 
 28.10.17 – Hamburg / Nachtspeicher 
 29.10.17 – Dortmund / FZW 
 01.11.17 – Köln / Yuca 
 02.11.17 – Frankfurt / Bett 
 03.11.17 –Zürich / Exil 
 05.11.17 – Wien / B72 
 09.11.17 – München / Hansa39 
 10.11.17 – Stuttgart / Wizemann 


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Felix Goth

Hört Musik aus jedem Genre, weil es überall was zu entdecken gibt - und wenn es nur die Faszination am Absurden ist.

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